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Mühlacker und Dürrmenz
Dürrmenz
Seit Urzeiten ist der fruchtbare Lößboden dieser Orte auf beiden Seiten der Enz besiedelt. Die Spuren neolithischer, bronze- und eisenzeitlicher Bauern finden sich hier ebenso wie die der Kelten, der Römer, der Alamannen und Franken.Eine Urkunde vom 04. August 779 besagt, dass ein gewisser Hagino dem Kloster Lorsch Güter zu Dürrmenz schenkt. 835 vermacht Wichart dem Kloster ein ungewöhnlich umfangreiches Legat: eine steinerne Kirche St. Peter mit Inventar und Gütern in Dürrmenz, Lomersheim, Glattbach, Öschelbronn und Oetisheim. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts erscheinen urkundlich erstmals die Herren von Dürrmenz durch die Erwähnung der Andreaskapelle als ihrer Eigenkirche. Ulrich von Dürrmenz ist 1159-1162 Kanzler Kaiser Friedrichs I. Barbarossa, von 1162 bis zu seinem Tode am 26.12.1163 ist er der 39. erwählte Bischof von Speyer. Walter von Lomersheim stiftet 1138 sein Gut in Eckenweiler zur Gründung eines Zisterzienserklosters, das 1146/47 nach Maulbronn verlegt wird.
Die Burg Dürrmenz, später "Löffelstelz" genannt, wird im 13. Jahrhundert von Heinrich I. von Dürrmenz erbaut. Ihr Zerfall begann wahrscheinlich schon im 16. Jahrhundert.
Das wie alle anderen Klöster auf Erweiterung seines Besitzes bedachte Kloster Maulbronn erwirbt im Laufe von 150 Jahren bis 1482 den gesamten Besitz der Ortsherren von Dürrmenz. An der Leibeigenschaft der Bewohner ändert sich dadurch nichts. Mit der Übergabe des Klosters an Herzog Ulrich 1504 werden auch die Klosterdörfer Dürrmenz und Mühlacker württembergisch.
Der Dreißigjährige Krieg bringt viel Not und Elend. Von 1242 Einwohnern im Jahre 1622 sind 1648 noch etwa 50 übrig. 1692 wird Mühlacker nach dem Treffen bei Ötisheim von der französischen Invasionsarmee geplündert. Die "Eppinger Linie" wird in der Folgezeit weiter ausgebaut. 3000 Waldenser, vom "rex christianissimus" Ludwig XIV. aus Frankreich vertriebene piemontesische Protestanten, finden 1699 in Dürrmenz Aufnahme.
Am Ende des 18. Jahrhundert bringen die Französische Revolution und die napoleonischen Kriege neue Unruhe. Das wachsende politische Selbstbewußtsein der Bürger fordert nach 1815 demokratische Reformen. Aber der republikanisch gesonnene Schultheiß Fortenbacher, der 1848 seinen Bürgern rät, "nichts mehr zu arbeiten, sondern Kugeln zu gießen", geht 1852 nach Amerika.
Die Stadt Mühlacker
Das Industriezeitalter beginnt für die Stadt mit dem Bau der Eisenbahn von Stuttgart ins Rheinland 1853, der sogenannten Westbahn, die 1864 Anschluß an die badische Bahnlinie Pforzheim-Durlach findet. Bis 1930 gab es in Mühlacker einen besonderen badischen Bahnhof.Begünstigt durch die Aufhebung der Zollschranken (zwischen 1819 und 1851) und des Zunftzwangs (1862) entwickeln sich aus kleinen Anfängen Betriebe, die sich großenteils in der Nähe des Bahnhofs ansiedeln. Die bisher agrarisch-handwerklich geprägte Gesellschaftsstruktur beginnt sich zu verändern. Mühlacker wird Industrieort.
Inflation, Weltwirtschaftskrise und drückende Arbeitslosigkeit nach dem ersten Weltkrieg unterbrechen die Entwicklung der Stadt. 1930 wird aus der Gemeinde Dürrmenz-Mühlacker unter Kürzung ihres Doppelnamens die Stadt Mühlacker. Der in gleichen Jahr in Mühlacker errichtete erste deutsche Großrundfunksender macht den Namen der Stadt weithin bekannt. Der 193 m hohe, aus Holz konstruierte Sendemast wird 1945 sinnlos gesprengt.
Das Ende des 2. Weltkriegs bringt auch Mühlacker Zerstörungen durch Luftangriffe und vor allem durch Artilleriebeschuß bei der Besetzung am 07. April. Drei Tage lang wird um Dürrmenz heftig gekämpft. Eine große Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen - über 3000 - findet in den folgenden schweren Jahren hier eine neue Heimat.
Der Zustrom so vieler Menschen läßt die Stadt rasch wachsen. Neue Wohn- und Industriegebiete entstehen. Im Zuge der Verwaltungsreform von 1971 schließen sich die Gemeinden Lomersheim, Enzberg, Großglattbach, Mühlhausen und Lienzingen der Stadt an.
Mit der Auflösung des alten Kreises Vaihingen wird Mühlacker dem Enzkreis angegliedert und kommt dadurch zum Regierungsbezirk Karlsruhe. 1973 wird Mühlacker Große Kreisstadt. Die Einwohnerzahl beträgt rund 26.000, die Markungsfläche 5433 ha, darunter 1606 ha Wald. Über 12.000 Menschen finden in der Stadt Arbeit und Brot. Erzeugnisse von mehr als 40 Großbetrieben gehen von Mühlacker aus in alle Welt.
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