22. Juni 2009

Königstreffen der Knatterkisten

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Die Fans an der Strecke in Wiernsheim sind begeistert. Herrlich blubbern die acht Zylinder der 40 Jahre alten Corvette. Foto: Hansen
Die Fans an der Strecke in Wiernsheim sind begeistert. Herrlich blubbern die acht Zylinder der 40 Jahre alten Corvette. Foto: Hansen
200 Oldtimer bei der Tiefenbronn Classic begeistern Zuschauer entlang der Strecke – Für die Liebhaber zählen ideelle Werte

Mädchen mit Knuddelbacken, harte Kerle, robuste Naturburschen, vornehme Damen, gesetzte Herren – von den rund 200 Oldtimern, die bei der Tiefenbronn Classic unterwegs waren, hatte jeder ein charakteristisches Gesicht und erzählte seine Geschichte.

 Von Isabel Hansen

Enzkreis/Wiernsheim. Gunther Wienands aus Pforzheim, bis 1957 Motorradsport-Geländefahrer, hat seine NSU 125 im Jahr 1998 für 300 Mark gekauft. „Das waren zwei Holzkisten mit Schrott. Es hat mich zwei Jahre Arbeit und 5000 Mark gekostet, bis die Maschine fertig war“, erklärt das Rennsport-Urgestein. Doch irgendetwas gibt es immer zu reparieren. „Ich habe ein Malheur mit dem Schwimmer im Vergaser“, erklärt Wienands. Seinem Start bei der 2. Tiefenbronn Classic stand das allerdings nicht im Weg. Teilnehmer Jürgen Kuntel, ebenfalls Besitzer einer NSU 125, düst schnell nach Hause und besorgt Ersatz.

 Für Pannen aller Art haben Roland Schaan und sein Beifahrer „Schmiermaxe“ Wolfgang Ackermann das richtige Werkzeug dabei. „V8-Motoren können sie mit einer Wasserrohrzange und einem Hammer reparieren“, schwärmen sie nicht umsonst für Schlitten mit großem Hubraum, in ihrem Fall eine Corvette, Baujahr 1959. Was die Fahrer an einem Ende sparen, müssen sie an anderer Stelle allerdings wieder drauflegen: „Spritverbrauch? Achhhh, ja - so runde 30 Liter. Wir fahren keine langen Strecken“, verkraften die PS-Cowboys mit Hüten und Fransenwesten den Durst ihres Oldtimers.

 Fast im gleichen Alter sind Christian Will, Baujahr 1964, und sein Porsche 911, Baujahr 1968. Nicht nur sein auf Hochglanz polierter Sportwagen bekommt heute Komplimente, auch er erntet ein dickes Lob aus seinem Bekanntenkreis: „Dafür, dass Du nicht restauriert wurdest, hast Du Dich gut gehalten.“

 Eine richtig große Altersdifferenz liegt zwischen dem gerade einmal 31-jährigen Andreas Kloß und seinem Bentley 4,5 Liter, der über 70 Jahre auf dem Buckel hat. Im Rampenlicht steht dabei eindeutig der „Oldie“, der zahlreiche Blicke auf sich zieht. „Das Auto gehört meinen Vater“, schmunzelt er. Er fahre aber immer schön vorsichtig, und das Schmuckstück sei auch bestens versichert: „Diese Exemplare werden zwischen 350000 und 500000 Euro gehandelt“, schätzt Kloß.

 „Ich spreche nicht gern über den Preis. Oldtimer-Fahrern haftet ein elitäres Reichen-Image an, das gar nicht zutrifft. Für Liebhaber zählen die ideellen Werte“, bedauert Klaus Wittmer. Als Hobby für komfortverwöhnte Millionäre empfehlen sich Oldtimer auf keinen Fall, wie er eindrucksvoll beweist. Die beim Einsteigen notwendige Faltaktion der Beine erfordert Gelenkigkeit, und auf Beinfreiheit muss er hinter dem Steuer seines MG, Baujahr 1939, verzichten. „Sie brauchen schmale Schuhe, damit sie nicht mit einem Fuß gleichzeitig auf Gas- und Bremspedal treten.“
 Auch wenn es auf der 135 Kilometer langen Strecke durch das Heckengäu und den Nordschwarzwald in punkto Geschwindigkeit eher gemütlich zugeht, an Start, Checkpoint und Ziel, wird der Motor gerne auf Touren gebracht - zum Vergnügen der Zuschauer.

 Die Wiernsheimer Ortsmitte wurde für die Stars auf zwei und vier Rädern zum Show-Boulevard, jeder Teilnehmer wurde mit Applaus empfangen. Für jedes satte Blubbern, sportliches Röhren, grüßende Hupen oder freundliches Winken gab es Extra-Beifall. „Einfach super“, finden Gabi Bufé und Veronique Porte. Eines allerdings bedauert das Duo inzwischen: „Wir hatten beide einen Käfer. Hätten wir die damals bloß behalten.“

 Christian Schwarz, Vorstand des Wiernsheimer Formel-1-Fanclubs, der auch für die Bewirtung an der Kontrollstation sorgte, ist klüger: „Mein Opel Vectra mit original rosa WC-Rolle ist schon 13 Jahre alt. Da hat er es nicht mehr weit bis zum Oldtimer.“
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