20. Juli 2006
Hitzige Duelle und strahlende Gesichter


Speerwurf-Könner: Benedikt Bäuerle vom THG in Action.
Rudolf Geltz ist Sportlehrer, und eigentlich ein ausgeglichener Mann, den man nicht so schnell aus der Ruhe bringen kann. Gestern war das ein wenig anders. Im „Käppele“-Stadion fand das Leichtathletik-Landesfinale des Schülerwettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ statt. Eine Mammutveranstaltung: Rund 800 Schülerinnen und Schüler aus ganz Baden-Württemberg tummelten sich auf der Anlage.
VON MIRKO BÄHR
„Alles verläuft reibungslos“, lässt da gerade Sibylle Richter, Sportlehrerin am Theodor-Heuss-Gymnasium, wissen, als im gleichen Moment auch schon Kollege Rudolf Geltz, Hauptorganisator dieser Veranstaltung, um die Ecke geschossen kommt: „Wir haben kein Strom, ich brauche die Nummer von den Stadtwerken.“ Just zu dem Zeitpunkt, als die 1000-Meter-Läufe gestartet werden sollten, fehlte es bei der Zeitmessung an Saft. Der Sauber-Gau. Doch schon wenige Minuten später war das Problem behoben. Rudolf Geltz konnte durchatmen. Es ging weiter.
Unter Strom steht auch Geltz. Der Sportlehrer hatte eine „unruhige Nacht“. Gerade einmal drei Stunden hat er die Augen zugemacht. „Um vier Uhr stand ich hier auf dem Platz und habe im Morgengrauen die letzten Kleinigkeiten erledigt.“ Und das merkt man. Alles ist perfekt organisiert und durchgeplant, das große Helferteam des THG hat beste Arbeit geleistet. Und so langsam aber sicher verfliegt jetzt auch etwas die Anspannung bei Rudolf Geltz, der rund 200 Arbeitsstunden in dieses Megaevent investiert hat.
Das ist natürlich auch dem Schulleiter Thomas Mühlbayer nicht verborgen geblieben. „Ich freue mich, dass wir so viele engagierte Schüler und Lehrer haben.“ Der Rektor ist begeistert und strahlt, wie alle anderen Verantwortlichen auch, mit der Sonne um die Wette. Apropos Sonne. Die könnte noch zu einem Problem werden, lässt Geltz gegen 11 Uhr wissen. Zwar habe man die längeren Laufstrecken extra gleich an den Anfang gelegt, doch die Hitze wird sicherlich noch dem einen oder anderen zu schaffen machen. „Ich weiß, was es heißt, bei diesen Bedingungen zu laufen“, zieht Thomas Mühlbayer den Hut vor den Leistungen der Athleten. Mühlbayer selbst joggt regelmäßig und nimmt ab und zu auch einen Halbmarathon in Angriff. Der Planet brannte: Wer sich kein schattiges Plätzchen mehr ergattern konnte, war an diesem sonnigen Sommertag verloren. Da passte es natürlich super, dass die Leichtathleten zur Abkühlung völlig unbürokratisch ins benachbarte Freibad durften. Beim Sprung ins kühle Nass vergaß so mancher Sportler die Anstrengungen und die Schweißperlen auf der Stirn. Nicht nur im Schwimmbad, auch im Stadion war der Bär los. Rund 800 Baden-Württembergische Schülerinnen und Schüler, von Ulm bis Schopfheim (Südbaden), sind mit Bussen in die Senderstadt zu diesem „schulischen Leichtathletik-Highlight“ gekommen, wie der Landesbeauftragte Günter Mayer erklärte.
Es wimmelt nur so von Athleten. Manche machen sich warm oder gehen nochmals ihren Wettkampf in Gedanken durch, andere sind gerade sportlich aktiv, ob in der Weitsprunggruppe, beim Kugelstoßen oder auf der Laufstrecke. Wieder andere feuern ihre Teamkollegen lautstark an oder haben es sich im Schatten bequem gemacht, schmökern dort in einem Buch, lassen sich mit der Lieblingsmusik aus dem MP3-Player berieseln oder nutzen die Pause für ein kleines Nickerchen.
„Herrlich“, grinst Oberbürgermeister Arno Schütterle, der diese Veranstaltung in die Senderstadt holte. „Eine runde Sache, die man einfach nur genießen sollte.“ So richtig genießen konnten die fleißigen Helferinnen und Helfer dieses Landesfinale nicht, schließlich hatten sie immer und überall etwas zu tun. Trotzdem hatten sie ihren Spaß. „Fantastisch“, lobt auch Sibylle Richter die „jungen Leute“. Die Schülermitverantwortung (SMV) sei für die Verpflegung verantwortlich, erklären die Schulsprecherinnen Sabrina Oberkamm, Carolina Alemán und Tina Scherle. „Es klappt alles“, so ihr Fazit.
Auch die Athleten strahlten, zumindest wenn sie mit ihrer Leistung an diesem Tag zufrieden waren. So wie Maren Ros vom Max-Planck-Gymnasium in Karlsruhe. Die 13-Jährige ist eine Meisterin ihres Faches. Mit der Höhe von 1,62 Meter hat sie kürzlich im Hochsprung den Badischen Meistertitel geholt. Das reichte, doch sie kann noch höher. Ihre Bestleistung liegt bei 1,80 Meter. Gestern schaffte sie immerhin 1,65 Meter und war natürlich zufrieden. „In erster Linie geht es hier um den Spaß“, sagt sie etwas schüchtern, „ich sehe den Wettkampf heute nicht so verbissen.“
Das hört Edwin Gahai vom Landesinstitut für Schulsport gerne. „Der Sport bekommt einen immer größeren Stellenwert. Die Bewegung wird immer wichtiger, was den sozialen Aspekt, aber auch den der Gesundheitsförderung anbelangt“, sagt er.
Untersuchungen zeigten, dass manche Kinder und Jugendliche gerade einmal „20 Minuten am Tag schwitzen“, das sei absolut zu wenig. Ins Schwitzen kam gestern auch Eberhard Gienger, allerdings erst nach seiner Landung. Mit dem Fallschirm schwebte er gekonnt ins „Käppele“-Stadion ein. „Der Fahrtwind ist angenehm, viel besser als Auto“, ließ er dann auf dem grünen Rasen wissen. Interessierter Betrachter am Spielfeldrand auch Rainer Moser, ehemaliger Bundesligaturner in Straubenhardt. Schließlich war Gienger „damals mein Vorbild“, so Moser, der früher des Öfteren zusammen mit dem Ex-Reckweltmeister in Ruit trainierte.
Einiges zu tun hatte auch der Schulsanitätsdienst. Am Ende registrierte man 29 Fälle. „Viele Bienenstiche“, so eine Verantwortliche, außerdem Wasserblasen und Schürfwunden. Eigentlich nichts Dramatisches, bis auf den letzten Einsatz. Beim Hochsprung kam eine Sportlerin so unglücklich auf ihren bereits lädierten Ellenbogen, dass man sogar den Krankenwagen ins Stadion rufen musste.
Als pünktlich die Siegerehrung um 16.30 Uhr los ging, waren auch die rührigen EDV-Experten in der Käppele-Turnhalle erleichtert. Die Ergebnisse waren blitzschnell ausgewertet, es gab keine Probleme. Auch das klappte also. „Wenn am Ende alle Sportlerinnen und Sportler zufrieden nach Hause fahren, dann bin ich glücklich“, so Geltz noch gegen Mittag. Und tatsächlich: „Danke für die tolle Organisation“, das hörten Rudolf Geltz und sein Helferteam bei der Verabschiedung am Abend immer wieder.
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Treffpunkt Mühlacker (www.muehlacker.de)
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