27.10.2011

Gemeinderat erntet Lob für Beschluss

Nach der Mühlehof-Debatte: Zuhörer loben Einigkeit und Taktik von OB Schneider – Abriss ist nicht für jeden beschlossene Sache

Mit seinem Beschluss hat der Gemeinderat die Weichen für einen Neustart in der Stadtmitte gestellt – mit einem Wettbewerb für eine Kulturhalle, Dienstleistungen und Gastronomie. An die 70 Zuhörer im Ratssaal verfolgten die spannende Diskussion und zeigten sich beeindruckt von der Einigkeit, mit der das Projekt vorangetrieben wird.
Von Thomas Sadler

Mühlacker. Einer der Gäste, die die Debatte über eines der wichtigsten Themen der Stadt Mühlacker in den vergangenen Jahrzehnten im Rathaus miterlebten, ist der Citymanager Thomas Müller.

Zwar habe er zunächst die Haltung des Gewerbe-, Handels- und Verkehrsvereins (GHV) geteilt und die Ansiedlung von Einzelhandel am jetzigen Mühlehof-Standort favorisiert, doch auch mit dem jetzigen Ergebnis ist er nicht unzufrieden. „Es ist super positiv, dass man einen gemeinsamen Beschluss gefasst hat. Abrissgegner und -befürworter sind zusammengeführt worden.“ Und wenngleich nicht ausdrücklich über eine Beseitigung des Mühlehofs abgestimmt wurde, so „ist deutlich geworden, dass, mit einer Kulturhalle, etwas Neues entstehen soll“, meint Müller, der für einen Abriss plädiert. Auch wenn nicht Einzelhandel, sondern Kultur in Zukunft das Bild auf dem derzeitigen Mühlehof-Areal bestimmen solle, müsse es gelingen, die untere Bahnhofstraße zu beleben. Der Bereich mit einem möglichen neuen Einkaufszentrum an der Goethestraße (siehe Artikel unten), dem Erlenbach und der unteren Bahnhofstraße könnte ein Dreieck bilden, so der Citymanager, der hofft, dass die Aufbruchstimmung auch die Gebäudeeigentümer in der Fußgängerzone veranlasst, ihre Häuser aufzuwerten.

„Wir können nicht Kultur in einem maroden Haus betreiben“

Johanna Bächle, Leiterin der Vhs

„Ich freue mich für die Innenstadtentwicklung“, sagt Johanna Bächle, Leiterin der Volkshochschule. „Man will wissen, was nach einem Mühlehof-Abriss kommt. Und dazu ist jetzt genau der richtige Beschluss gefasst worden.“

Die Vhs geht schon mal von einem Abriss des Mühlehofs aus – und der ist ihrer Ansicht nach auch unvermeidlich: „Wir können nicht Kultur in einem maroden Haus betreiben“, stellt Johanna Bächle unumwunden fest.

Aus ebenso kommunalpolitischer wie geografischer Distanz hat Rainer Zundel die Diskussion samt Entscheidung miterlebt. Er ist Gemeinderat in Wiernsheim und Bürgermeisterstellvertreter in der Plattengemeinde sowie Lehrer an der Mühlacker Mörike-Realschule. Am Dienstag habe er die Gemeinderatssitzung in Mühlacker allerdings als Privatmann besucht, betont er. Als solcher nimmt er denn auch seine Bewertung vor – und die schließt mit einem durchweg positiven Fazit. Die Diskussion sei „sachlich und konstruktiv“ verlaufen und „von der Verwaltungsspitze hervorragend vorbereitet“ gewesen. Dank der Vorarbeit von Oberbürgermeister Frank Schneider sei es nicht zu dem von ihm befürchteten „Hauen und Stechen“ gekommen, so Zundel. „Das Vorgehen gibt jedem Stadtrat die Möglichkeit, sich in dem Beschluss wiederzufinden.“ Indes hält er einen Abbruch des Mühlehofs für „unvermeidlich“. Denn: „Das Alte muss weichen, und Besseres muss folgen.“

„Es ist gut, dass Fraktionen nicht emotional abgestimmt haben“

Gotthilf Großmann, ehemaliger Stadtrat

Der langjährige frühere SPD-Stadtrat Gotthilf Großmann aus Großglattbach stimmt Zundel indes nur in Teilen zu. „Ich halte den Beschluss des Gemeinderates für gut.“ Es sei richtig, vor einem möglichen Abriss zu überlegen, was wo und wie gemacht werden solle. „Es ist gut, dass die Fraktionen nicht emotional, sondern sachlich abgestimmt haben“, lobt er. Allerdings ist der Abriss des Mühlehofs für ihn noch keineswegs beschlossene Sache. Er selbst sei weiterhin dagegen, weil das Konzept für die zukünftige Nutzung des Geländes ja noch nicht feststehe. Kritik übt er indes in anderer Hinsicht: Die Stadt solle endlich eine Lautsprecheranlage für den großen Sitzungssaal anschaffen. Da es bislang keine Mikrofone gebe, habe er manche Wortmeldung akustisch nicht verstanden.

Hans-Dieter Slobodkin, Vorsitzender des GHV Mühlacker, sieht den Beschluss des Gemeinderates mit gemischten Gefühlen, aber überwiegend positiv. „Der GHV hätte am derzeitigen Mühlehof-Standort lieber Einzelhandel statt einer Kulturhalle. Aber wir sind froh, dass überhaupt was passiert.“ Zweifellos sei es „ein Fortschritt, dass es weitergeht“, so Slobodkin am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Eine Veränderung des bestehenden Zustands sei für die Stadtmitte unerlässlich.


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