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„Das imposante Bauwesen erhebt sich
in unmittelbarer Nachbarschaft des 1912/13 erbauten Schulhauses
und stellt mit diesem monumentalen Gebäude eine äußerst
wirksame Baugruppe, eine nach Lage und Umfang gleich wuchtige
Dominante des Ortbildes dar. Der Bau verdankt seine Entstehung
dem weitsichtigen Blick des Fabrikanten und Vorstandes der
Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, Alfred Emrich. Sein
Name wird mit dieser hervorragenden bürgerlichen Tat
auf immer verbunden bleiben.“ 1
Im Frühjahr 1921 setzte sich Fabrikant Emrich
mit Schultheiß Woerner zusammen, um etwas – allen
nüchtern normal Denkenden – unausführbar Scheinendes
zur Ausführung zu bringen. Schultheiß Woerner zweifelte: »Woher
das Geld nehmen bei dieser Not?« Doch Alfred Emrich meinte,
dass er den Gemeinschaftssinn der Schwaben kenne, ihr kulturelles
Bedürfnis, ihr Verlangen nach einer Stätte der Erholung
- »darauf können wir bauen – und wir werden
bauen! Da haben Sie die Planung für den Bau einer Turn-
und Festhalle von Regierungsbaumeister Bihl!«
(...) Das Gebäude wurde in der Rekordzeit
von 99 Arbeitstagen, also nach weniger als vier Monaten, fertiggestellt.
Ein erstes Probekonzert fand bereits am 24. Oktober 1921 statt.
Diese enorme Bauleistung blieb ein einmaliger Rekord, der danach
nirgendwo mehr erreicht wurde.
Der große und sehr hohe Saal des Bauwerks
mit einer Fläche von 14 x 23 Metern hatte entsprechend der
Planung zwei Aufgaben. Zum einen sollte er als Festhalle eine
gute Akustik besitzen und Platz für etwa 800 Besucher bieten,
zum anderen sollte er als Turnhalle (...) des benachbarten Schulgebäudes
dienen. (...) Die großräumige Bühne verfügte über
die damals modernsten Einrichtungen: einen Rundhorizont, Schnürboden
und Beleuchtungsanlagen. Vor der Bühne befand sich ein versenkbarer
Orchesterraum für 45 Musiker.

Der Uhlandbau und seine erste Inneneinrichtung
(Stadtarchiv Mühlacker)
Der Eröffnungsfeier am 28. Oktober 1921 folgte
am Samstag, dem 29. Oktober, eine (...) Fest-Aufführung
des Württembergischen Landestheaters Stuttgart2 mit
der Neuinszenierung von »Figaros Hochzeit« unter
Leitung von Generalmusikdirektor Fritz Busch und der Regie von
Dr. Otto Erhardt. Diese erste Opernaufführung erregte Bewunderung
und wurde mit dem größten Beifall aufgenommen. (...)
Die hochrangige Mozartinszenierung bildete den Auftakt für
eine lange Reihe hervorragender Konzert-, Opern- und Theaterveranstaltungen,
die während der Inflationszeit von 1921 bis November 1923
aufgrund der Verbindungen der Familie Emrich über die Bühne
gehen konnten. Das Württembergische Landestheater kam bis
Ende 1930 regelmäßig mit Gastspielen nach Dürrmenz-Mühlacker.3
(...) Besondere Erwähnung verdienen die Konzerte
der Brüder Busch, deren hervorragende Interpretationen eine
Sendereihe des Süddeutschen Rundfunks im Herbst 1990 in
Erinnerung brachte4. Fritz Busch dirigierte am 23.
Januar 1922 ein Konzert des Landesorchesters mit Werken von Mozart
und Richard Strauss. (...) Am 14. März 1922 gab der ebenso
berühmte Adolf Busch einen Violinabend, am Flügel begleitet
von Rudolf Serkin; die beiden Künstler wurden stürmisch
gefeiert. Eine Aufführung von Beethovens „Fidelio“ unter
Fritz Busch am 1. April 1922 hatte so großen Erfolg, dass
diese Oper am 11. April vor wiederum ausverkauftem Hause wiederholt
werden musste. Das überschwängliche Lob für die
Stuttgarter Fidelio-Inszenierung war sicher berechtigt, denn
sie galt damals als die beste in Deutschland. Nach seiner Berufung
als Generalmusikdirektor an die Dresdner Oper gab Fritz Busch
am 17. Juni 1922 ein Abschiedskonzert in Dürrmenz-Mühlacker
mit dem Busch-Trio, über das die Presse begeistert berichtete: „Das
Konzert war ein Superlativ, ein auf höchsten Kunstgenuss
gestellter Konzertabend (...) einfach herrlich, diese jungfeurigen
musikalischen Vollblutnaturen, dieser Rhythmus, dieser Klang.
Ein prächtiger Ausklang und Abschluss des ersten Konzertjahres
im Uhlandbau“5.
Erwähnt werden sollen noch einige andere der
glanzvollen Veranstaltungen.(...)
Am 6. Dezember 1921 war Walter Gieseking auf dem Flügel zu hören.(...)
Das Rosé-Quartett aus Wien gastierte am 1. Mai 1922 erstmals in
Mühlacker mit Werken von Mozart, Schubert und Beethoven. Bei diesem
Gastspiel übernahm Laura Emrich im Forellen-Quintett mit sehr großem
Erfolg den Part am Flügel. Die Ausführenden wurden stürmisch
gefeiert. (...)
Die nächste Spielzeit begann am 3. Oktober 1924 mit einem Kammermusikabend:
Adolf Busch und Rudolf Serkin spielten Reger, Mozart und Beethoven. Am
26. Oktober gastierten das Wendling-Quartett aus Stuttgart und am 16.
November wieder das Rosé-Quartett. (...)
Im September 1925 waren Adolf Busch und Rudolf Serkin ein letztes Mal
gemeinsam in Mühlacker zu hören. Die Russische Konzertgesellschaft
trat im Oktober zum zweiten Mal mit Balalaika-Klängen und russischen
Meistertänzen auf.
Das Jahr 1926 begann mit der „Fledermaus“ am 1. Januar; im
nächsten Spieljahr wurde am 7. Dezember „Der Vogelhändler“ gegeben.
Zum 100. Todesjahr Beethovens führte die Stuttgarter Bühne
am 5. Mai 1927 „Fidelio“ auf, letztmalig unter der Regie
von Erhardt, der nach Dresden wechselte.
Carl Orff wirkte am 26. November 1927 bei der Musikgestaltung zu Tänzen
der Münchner Kammer-Tanzbühne mit.
*
„Die Wiedergabe einer großen Oper
mit allen Erfordernissen neuzeitlicher Bühnenkunst, draußen
in der Provinz, an der Grenze eines Landes in einem Ort von
kaum 6000 Einwohnern gewagt, ist traumhafte Erfüllung!
Die Lichtwirkungen waren wunderbar, das Nachtbild zauberhaft,
und das Ohr schwelgte in Mozart’schen Melodien. Unter
den Ehrengästen aus Stuttgart befanden sich Ministerialrat
Frey, Oberbürgermeister Lautenschlager, Bürgermeister
Sigloch und Intendant Kehm.“6
1 „Dürrmenz-Mühlacker
Bote“ v.29.10.1921.
2 Heutige Bezeichnung: Staatstheater Stuttgart.
3 StA Mühlacker, Fl 1535. Laut Schreiben des
Württembergischen Kultministeriums v.21.4.1931 war Mühlacker
die einzige Gemeinde im Land, die sich – abgesehen von
Tübingen – regelmäßiger jährlicher
Gastspiele der Württembergischen Landestheater erfreuen
durfte.
4 Sendereihe des 2. Programms v. 5.9.-19.12.1990:
Die Brüder Busch.
5 „Der Bürgerfreund“ v. 23.6.1922.
6 „Der Bürgerfreund“ v. 31.10.1921
zum Eröffnungskonzert.
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