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Kontrabässe zum Singen gebracht

Ensemble „Bassiona amorosa“ beendet die Konzertsaison 2011 des „Musikalischen Sommers“

Das Ensemble „Bassiona amorosa“ musiziert in der FrauenkircheMühlacker-Lienzingen.Erfolgreich mit sehr guten Besucherzahlen in sechs Konzerten ging die Reihe „Musikalischer Sommer“ des Jahres 2011 am Sonntag in der Frauenkirche Lienzingen zu Ende. Wie schon seit einigen Jahren üblich, endete die Saison mit dem Auftritt eines Quartetts in ungewöhnlicher Besetzung. Vier Kontrabassisten, die sich zum Ensemble „Bassiona amorosa“ zusammengeschlossen haben, führten vor, dass dieses größte Streichinstrument keineswegs nur der Brummbär sein muss.

Eigentlich umfasst das Ensemble fünf Musiker, doch einer von ihnen, Roman Patkoló, war erkrankt. Doch Andrew Lee, Jan Jirmasek, Giorgi Makhoshvili und Ljubinko Lazie führten dafür um so resoluter den Bogen über die Saiten ihrer Kontrabässe und vermittelten den Besuchern manchen köstlichen Ohrenschmaus. Alle fünf haben in München studiert, aber sie wurden in fünf verschiedenen Ländern geboren. Während ihres vielseitigen und sehr unterhaltsamen Konzerts offenbarten sie ihre urwüchsige Musizierfreude, die sich in virtuosen, eindrucksvoll lebendigen und bewegten Interpretationen der Kompositionen aus der Zeit des Barock, der Klassik und Romantik sowie des 20. Jahrhunderts artikulierte. Es bereitete echte Freude, den vier exzellenten Könner auf ihren Instrumenten zuzuhören.

Mit einem Arioso aus einem Konzert für Cembalo (BWV 1056) von Johann Sebastian Bach begann das Ensemble. In betörend warmem Klang der vier Kontrabässe breitete sich die beseelte Melodie des Werks in der Frauenkirche aus. Auch Antonio Vivaldi stand mit zwei kurzen Teilen aus „Der Frühling“, bekannt aus seinem Zyklus „Die vier Jahreszeiten“, auf dem Programm. In der heiter bewegten Aufführung fiel die Perfektion auf, mit der die vier Musiker Vogelstimmen auf ihren Instrumenten hörbar machten. Ein Duett für zwei Kontrabässe, das der gemeinsame Lehrer des Ensembles, Klaus Trumpf von der Musikhochschule in München, nach einer Komposition von Johann Matthias Sperger (1750 bis 1812) arrangierte, führten mit virtuoser Spieltechnik Andrew Lee aus Südkorea und Ljubinko Lazic aus Serbien auf. Im Stück „Flageoletti“ des 1947 geborenen Komponisten Miloslav Gajdos bewies das Ensemble in besonderer Weise bravourösen Umgang mit den Instrumenten, denn es gelang den vier Musikern, kraftvolle Gegensätze zwischen melodischen Ansätzen und kaum je auf Kontrabässen entwickelten Klangformen hervortreten zu lassen. Ähnlich kontrastreich war auch „Passione amorosa“ von Giovanni Bottesini, einem italienischen Komponisten des 19. Jahrhunderts. Dieses dreisätzige Werk mit immer wieder aufleuchtender opernhafter Melodik gab dem Ensemble Gelegenheit, seine Kontrabässe förmlich singen zu lassen.

Im zweiten Teil des Konzerts wechselte „Bassiona amorosa“ mit Elan in den Bereich eher unterhaltsamen Musizierens. Ein Evergreen ist „Man and a Woman“ von Francis Lai, der in swingendem Rhythmus einschmeichelnd dargeboten wurde. Ensemblemitglied Giorgi Makhoshvili, ein gebürtiger Georgier, schrieb „Circus Valse“. Als Solist entfaltete er auf seinem Kontrabass mit sensiblem Bogenstrich weichen, eleganten Klang. Einige Werke, die nicht auf dem Programmzettel vermerkt waren, folgten und erlebten gleichfalls impulsive, von Freude am heiteren und gekonnten Musizieren geprägte Aufführungen. Darunter war eine Ballade von einem tanzwütigen Mädchen, die mit heller Stimme Jan Jirmasek aus Tschechien in der Begleitung durch seine drei Kollegen sang. Er führte auch gut gelaunt und heiter durch das Programm.

Ein furioses Finale zelebrierte das Ensemble „Bassiona amorosa“ mit dem berühmten „Säbeltanz“ von Aram Chatschaturjan, der mit sprühendem Temperament und einigen witzigen gesanglichen Einlagen den Zuhörern in der Lienzinger Frauenkirche großes Vergnügen bereitete. Ohne Zugaben entließen sie die vier fabelhaften Musiker nicht.

(Mühlacker Tagblatt vom 26.09.2011, Rudolf Wesner; Foto: Fotomoment)
 

Musikalischer Sommer: Delikate Flageolett-Tänze auf Kontrabässen

Der heitere Ausklang des diesjährigen „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche war vom dunklen Timbre der Kontrabässe bestimmt. Vier virtuose Bassisten bändigten in Quartett-Formation ihre als widerspenstig geltenden Instrumente mit vollkommener Meisterschaft.

Ihre Liebeserklärung an die „Konzert-Elefanten“ kommt nicht nur im sinnfällig gewählten Namen der Gruppe – „Bassiona Amorosa“ – zum Ausdruck. Sondern vor allem in der launigen Musizierkunst der sonst in renommierten klassischen Orchestern spielenden Solisten Andrew Lee, Jan Jirmasek, Giorgi Makhoshvili und Ljubinko Lazic. Gebeugt über den Riesenkorpus ihrer Instrumente, hantierten die Kontrabassisten wie passionierte Hochleistungssportler mit Bogen, Griffbrett und Saiten. Und präsentierten die für ihre speziellen Anforderungen arrangierten Konzert-Miniaturen, kunstvoll gespickt mit schnellem Laufwerk, Pizzikato-Kaskaden, Doppelgriff-Passagen und extremen Sprüngen. Aber auch belcantistischer Schmelz war in hohen Lagen zu hören. Flageolett-Tänze überraschten mit delikatem Reiz.

Da wurde das „Arioso“ aus Johann Sebastian Bachs Cembalokonzert BWV 1056 sonor fein auf den Kontrabass-Saiten ausgesungen. Der „Frühling“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi zog mit seiner musikantischen Blütenpracht in den Kirchensaal ein. Und Johann Matthias Spergers frühklassizistisches „Duetto“ offerierte ein bezauberndes instrumentales Zwiegespräch. Stimmungsvoll zart erklang die Komposition „Little Prince“ des 1996 verstorbenen Mikhael Tariverdiev.Lockerungsübungen im Crossover zwischen E- und U-Musik erbrachte das jazzige Stück „Man and a Woman“ des noch lebenden Musikers Francis Lai.
Ganz besonders erfreute die eigenwillig mit vokalen und spielerischen Einlagen aufgelockerte Interpretation des „Säbeltanzes“ von Aram Chatschaturjan, ein Konzert-Höhepunkt ganz nach dem Geschmack des begeisterten Publikums.

(Pforzheimer Zeitung vom 26.09.2011, Uhlig)


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Streicherklang beschert opulente Hörerlebnisse

Lotus String Quartet aus Stuttgart musiziert beim „Musikalischen Sommer“ in der Frauenkirche

Das Lotus String Quartet überzeugt beim Konzert in LienzingenMühlacker-Lienzingen. Das Lotus String Quartet genießt bei den regelmäßigen Besuchern der Reihe „Musikalischer Sommer“ in der Frauenkirche Lienzingen seit Jahren großes Ansehen. Am Sonntag erfreute das Stuttgarter Ensemble die sehr zahlreich erschienenen Besucher mit seinem erlesenen Streicherklang. Als Gast wirkte der Pianist Cornelis Witthoefft mit.

Das Streichquartett F-Dur, KV 590, von Wolfgang Amadeus Mozart ermöglichte dem Lotus String Quartet einen effektvollen Beginn seines Konzertprogramms. Im Tempo erfreulich forsch erklang das einleitende Allegro und vermittelte damit den Eindruck von unbeschwertem, heiterem Musizieren, wie man es von den Ensemblemitgliedern Sachiko Kobayashi und Mathias Neundorf (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) immer wieder gerne erlebt. Die sehnsuchtsvolle Melodie des Allegrettos gestalteten die in Japan geborenen Musikerinnen und ihr deutscher Kollege sanft dahinfließend und ließen danach ein zwar weitgehend elegantes Menuett hören, das jedoch von kontrastreichen Klangfiguren bestimmt zugleich mit feurigem Elan dargeboten wurde, mit dem sie auch das abschließende Allegro zu einem opulenten Hörerlebnis steigerten.

Sein im Jahr 1905 entstandenes Streichquartett versah Anton Webern nicht mit einer Opuszahl, weil es in einer Zeit entstand, als er noch eher spätromantischen Einflüssen folgte. Der Schüler von Arnold Schönberg wandte sich wenig später der atonalen Musik zu. Gleichwohl ist auch sein nur knapp 15 Minuten dauerndes Werk, dessen einzelne Teile ineinanderfließen, nicht ohne weiteres zu verstehen. Immerhin gelang dem Lotus String Quartet mit ambitionierter Gestaltungskraft eine von kraftvollem Ausdruck geprägte, überzeugende Aufführung. Damit profilierte sich das Ensemble als ein mit lebendigem Impuls musizierender Klangkörper.

Mit von Energie getragenem Spiel hob das Lotus String Quartet zusammen mit dem Pianisten Cornelis Witthoefft die vielschichtigen, emotionalen Stimmungen des Klavierquintetts Es-Dur, Opus 44, von Robert Schumann, transparent hervor. Kontrastvoll mit feinem Anschlag führte der an der Hochschule für Musik und Gestaltung als Professor für Liedbegleitung tätige Pianist im einleitenden Allegro Brillante seinen Part aus. Das ihn begleitende Streichquartett beglückte zugleich mit glutvoller Klangfülle. Insbesondere trug die Cellistin Chihiro Saito im dialogischen Zusammenspiel mit dem Klavier zu spannungsreichem Hörgenuss bei. Vorsichtig schreitend wurde von dem Quintett der marschähnliche zweite Satz ausgeführt. Dabei erklang das Hauptthema besinnlich und verklärt. Ähnlich wie im Mittelteil des zweiten Satzes rüttelte das Ensemble auch im Scherzo mit expressiver und von brodelndem Temperament getragener Gestaltung auf. Lebhaft bewegt und sprudelnd leicht verbreiteten die Musiker im abschließenden Allegro freudige, positiv stimmende Empfindungen.

(Mühlacker Tagblatt vom 13.09.2011, Rudolf Wesner; Foto: Fotomoment)
 

„Lotus String Quartett“ beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen

MÜHLACKER. Haupttugenden guter Streichquartette sind Toleranz und Disziplin. Vier Streicher müssen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander hören, ihre Einsätze und die ihrer Partner beachten und selbst, wenn sie gleichzeitig „sprechen“, Kontrapunkte und die Regeln unterschiedlicher Sprechmelodien ertragen.

Das „Lotus String Quartett“ – mit Sachiko Kobayashi und Mathias Neundorf an den Violinen, der Bratschistin Tomoko Yamasaki und der Cellistin Chihiro Saito – , das zu den erfolgreichsten Quartett-Formationen aus Japan zählt, erfüllt solche Voraussetzungen mustergültig, bereichert sein Spiel aber zusätzlich mit nachhaltiger Expressivität und einer geistvollen Ausgestaltung seiner Interpretationen. Solche Qualitäten kamen beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche, wo die Streichergruppe gastierte, sinnfälliger Weise auch der Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts „Drittem Preußischen Streichquartett“ (in F-Dur KV 590) zugute. Das formklare Werk erfreute im ersten Satz („Allegro moderato“) mit seinen lebhaften Instrumental-Dialogen und einem schönen Seitenthema des Violoncello.

Im zweiten („Allegretto“) mit fast schon romantisch zu nennender Melancholie und strahlenden Gesängen der einzelnen Streicherstimmen, danach mit einem etwas schroffen „Menuetto“ und dem leidenschaftlich turbulenten, durch besagte Disziplin gebändigten Finalsatz („Allegro“).

Großartig dann die Interpretation von Anton Weberns „Streichquartett 1905“. Dessen Satz- bezie-hungsweise Abschnittsbezeichnungen reichen von „düster und schwer“ über „sehr ausdrucksvoll mit großer Macht“ bis zu „zart bewegt“ und erklären das Stück bewusst zu einer an Stimmungen orientierten Programm-Musik. Solche Vorgaben wurden von den vier Instrumentalisten mit Präzision und feinem Gespür für das ineinander verwobene Liniengeflecht umgesetzt. So viel stimmschöne Gefühlstiefe hätte man dem Komponisten, einem entschiedenen Schönberg-Schüler, kaum zugetraut.
Erweitert durch den Pianisten Cornelis Witthoefft präsentierte Lotus String zum Abschluss des gut besuchten und begeistert aufgenommenen Matinée-Konzerts Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur (op.44).

Mitreißend der feurige Schwung, mit dem das Hauptwerk romantischer Kammermusik interpretiert wurde: Da waren zwischen markigem Streicher-Aufbegehren und der rauschenden Klangfülle lebhafter Klavierpassagen, zwischen sehnsüchtiger Träumerei und verspielt tönender Farbenpracht alle Stimmungsvaleurs genre-typisch vertreten.

(Pforzheimer Zeitung vom 13.9.2011, E. Uhlig)


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Talente machen auf sich aufmerksam

Beim "Musikalischen Sommer" stellt sich hochbegabter Nachwuchs in der Frauenkirche vor

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Als einen festen Termin im Programm seiner Konzertreihe "Musikalischer Sommer" hat Peter Wallinger das "Podium junger Künstler" entwickelt. Auch am Sonntag bekamen musikalische Nachwuchstalente aus der Region Gelegenheit, sich einem interessierten Publikum vorzustellen. Das gut besuchte Konzert in der Lienzinger Frauenkirche fand in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Baden-Württemberg statt.

Einen ersten Preis beim Landeswettbewerb "Jugend musiziert" errang ein Blocknötenensemble der Jugendmusikschule Fforzheim. Die von Adelheid Bartel unterrichteten Flötistinnen Alice Schneider, Julia Glanz und Paula Hemmer eröffneten das Konzert mit Komposition von König Heinrich VIII aus dem 16. Jahrhundert, von Joseph Bodin de Boismortier aus dem 18. Jahrhundert sowie von Kazimierz Serocki aus dem 20. Jahrhundert. Nuancenreich und in feiner Intonation musizierte das Trio und bewies ein hohes Maß an Virtuosität.

Genau so erfolgreich waren die Pforzheimer Musikschülerinnen Carolin Grizfeld (Violine) und Verena da Silva (Kontrabass), die als Duo auftraten und aus einer Suite für Violine und Kontrabass, Opus 39, von Reinhold Glière zwei in den Stimmungen sehr konträre Sätze klangschön interpretierten. Auf ein von feierlicher Melodik getragenem Prélude folgte eine in schreitendem Tempo heiter bewegt gestaltete Gavotte. Die beiden Könnerinnen auf ihren Instrumenten überzeugten mit souveränem, facettenreichen Spiel.

Klavier-Solist Maximilian Schairer aus Stuttgart überzeugt in LienzingenDen Namen des erst 14 Jahre alten Nachwuchspianisten Maximilian Schairer aus Stuttgart sollte man sich heute schon einmal merken. Von einem jungen Künstler ein so empfindungsreich interpretiertes Andante zu hören, wie dies den ersten Satz der Sonate Opus 27, Nummer zwei, von Ludwig van Beethoven bildet, die deshalb auch als "Mondscheinsonate" populär wurde, ist allein schon einzigartig. Doch auch die weiteren Sätze gestaltete Maximilian Schairer mit enormer Intensität, vitalem Ausdruck und in anregenden Tempi. Er ließ ein mitreißendes Beethoven-Erlebnis entstehen. Mit federleichtem Anschlag führte er burlesk und heiter die Konzertetüde Nummer zwei, "Gnomenreigen", von Franz Liszt aus und ließ in der Liedtranskription von "Widmung", einer Komposition von Robert Schumann, die Liszt für das Klavier neu arrangierte, romantisch-schwärmerische Elemente anklingen.

Für das diesjährige Konzert "Podium junger KünsUer" richtete Peter Wallinger ein Projektorchester ein, dem neben Mitgliedern der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim hochbegabte, bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" erfolgreiche Musikschülerinnen und -schüler aus der Region zwischen Bietigheim-Bissingen und Bretten angehörten. Unter Wallingers Leitung führten sie zunächst ein Werk mit dem Titel "Coronae Berenices für zehn Streicher" von Andru Matuschka aus Karlsruhe an. Er ist ein junger, außerordentlich talentierter Violinschüler, der bereits im vergangenen Jahr in der Lienzinger Frauenkirche mit virtuosem Spiel auffiel. Nun bewies er auch als Komponist beachtliches Können. Das Orchester führte das Werk in feinem Streicherglanz aus. In einem Satz aus einem Violinkonzert von Joseph Haydn faszinierte Andru Matuscbka mit eleganter und überaus delikater Gestaltung der Solopassagen. Dabei wurde er vom nunmehr in großer Streicherbesetzung musizierenden Projektorchester mit warmer Klangfülle begleitet.

Simon Wallinger, ein Sohn des Dirigenten, trat bei der Uraufführung seiner Komposition "Drei Stücke" , Opus sechs, selbst an das Dirigentenpult. Die drei kurzen Werke zeichnen sich durch mystisch dahinfließende Tonfolgen in einer noch tonalen Sprache aus. Nur im dritten Satz erklangen rhythmisch geprägte, vitale Klangaufbrüche. Die Konzertbesucher nahmen die neuen Kompositionen von Simon Wallinger mit viel Beifall auf. Mit dem elegischen "Adagio for Strings", Opus elf, von Samuel Barber beschloss das Projektorchester seinen einmaligen Auftritt, das unter Peter Wallingers Leitung dichten und warmen Wohlklang entfaltete.

(Mühlacker Tagblatt vom 26.07.2011, Rudolf Wesner; Foto: Fotomoment)


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Helle Streicherpracht

„Musikalischer Sommer“ in der Frauenkirche fortgesetzt

Die Solisten Gen Yokosaka und Chihiro Saito mit Dirigent Peter Wallinger. Foto: FotomomentMühlacker-Lienzingen. Ihren edlen, stets ausgewogenen Streicherklang breitete am Sonntagvormittag in der Frauenkirche von Lienzingen die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger aus. Damit wurde die Reihe „Musikalischer Sommer“ sehr klangvoll und qualitätsreich fortgeführt.

Der erste Teil stand unter dem Titel „Freundschaft mit Japan“, der an diesem Wochenende eine besonders aktuelle Bedeutung hatte. Zwei japanische Cellisten interpretierten meisterhaft die Solopartien in Werken von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Die Cellistin Chihiro Saito und ihr Landsmann Gen Yokosaka entfalteten in Vivaldis Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester vom ersten Takt an kraftvolles Spiel und verströmten auf ihren Instrumenten warmen Wohlklang. Im Allegro boten sie dynamische Steigerungen der Intensität in ihrer interpretatorischen Gestaltung, beglückten mit delikater Ausführung der melodiösen Passagen des Largos und ließen ein spannungsreiches Allegro hören, das sie mit von Energie angetriebenem Tempo spielten. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete in anmutiger Klangfrische. Als Zwischenspiel führte das Orchester ein sakral wirkendes Werk von Arvo Pärt auf. Sehr besinnlich und voller Andacht dargeboten, konnte es als musikalisches Gebet empfunden werden.

Das Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester von Georg Friedrich Händel erlebte durch die beiden Cellisten aus Japan eine farbenreiche Ausführung. Dank des verhaltenen Tempos konnte das einleitende Grave seine meditative Wirkung ausbreiten. Im lebhaften Kontrast dazu musizierten Chihiro Saito und Gen Yokosaka, von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in heller Streicherpracht begleitet, das Allegro voller barocker Opulenz, wobei sie mit ihrer hochrangigen Virtuosität beeindruckten. Der Schlusssatz, eine Fuge, wurde von Solisten und Orchester transparent und klar gegliedert als brillantes Finale aufgeführt.

Von Wolfgang Amadeus Mozart stand mit Adagio und Fuge, KV 546, eine Komposition auf dem Programm, die in der Darbietung durch die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim von erhabenem Ausdruck in der langsamen Introduktion zu einem dichten Klanggeflecht emporwuchs. Die populäre Serenade in C-Dur, Opus 48, von Peter Iljitsch Tschaikowsky war jedoch der vollendete Höhepunkt des Konzerts, denn hier bewies Peter Wallinger, dass er im Lauf der Jahre seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Klangvolumen und in der Dichte ihrer Gestaltungskraft auf eine vergleichbare Ebene mit anderen in unserem Land hohes Ansehen genießenden Kammerorchestern emporheben konnte. Die vier Sätze erklangen voller Farbe, in wechselnden Stimmungen und doch immer wieder angereichert mit emotionaler Musizierfreude. Ganz besonders glutvoll und bravourös erklang dabei das Finale mit dem russischen Tanzthema.

(Mühlacker Tagblatt vom 12.07.2011, Rudolf Wesner; Foto: Fotomoment)


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Mit Elan über Stil-Grenzen

Die klassische Band „Spark“ musiziert bravourös in der Lienzinger Frauenkirche

Die Musiker von "Spark" bieten in der Frauenkirche überraschende KlängeUnbezähmbare Musizierfreude und unübertrefflich vitales Musikantentum sind Kennzeichen für „Spark, die klassische Band“. Im Rahmen des „Musikalischen Sommers“ waren die fünf Ausnahmemusiker am Sonntag in der Lienzinger Frauenkirche zu hören.

Mühlacker-Lienzingen. Mit ihrem Programm „Downtown Illusions - City Sounds from Istanbul to New York“ vermittelten sie den zahlreichen Zuhörern farbenreiche Impressionen von moderner Kammermusik, in der sich Klassisches mit Elementen der Folklore, des Jazz oder der Minimalmusic vermischt.
Vor etwa einem Jahr war „Spark“, zu deutsch „Funke“, im Laienrefektorium des Klosters Maulbronn zu hören. Im Vergleich zu dem Raum im altehrwürdigen Zisterzienserkloster wirkte die Musik dieses jungen, entdeckungs- und experimentierfreudigen Ensembles in der Frauenkirche dank der dort vorhandenen hellen, frischen Akustik lebendiger und eben funkelnder. Die Besetzung ist mit den zwei Blockflötenvirtuosen Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, dem Geiger und Bratscher Stefan Glaus, dem Cellistin Victor Plumettaz und der Pianistin Jutta Rieping zwar ungewöhnlich, birgt aber auch eine Fülle wunderbarer klanglicher Reize in sich, die während des abwechslungsreichen, überaus vielschichtigen, von unterschiedlichen Kulturwurzeln geprägten Konzerts eindrucksvoll zur Geltung kamen.
Einen Tag vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht, wie er sich in einer Metropole erleben lässt, beschrieb das Programm. Kompositionen von Tonschöpfern unserer Zeit erklangen, die häufig von diesen für „Spark“ geschrieben wurden. Namen, die in der heutigen Musikbranche hohes Ansehen genießen, waren im Programm zu lesen, etwa der des Holländers Chiel Meijering, Jahrgang 1954, oder des Deutschen Johannes Motschmann, geboren 1978, des Amerikaners Kamran Ince, 1960 geboren, oder des Türken Fazil Say, der 1970 in Ankara zur Welt kam. Daneben aber waren auch folkloristisch tänzerisch durchzogene Stücke und auch, gewissermaßen als Reminiszenzen gegenüber den großen Meistern des Barock, Stücke von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach zu hören, die in modern arrangiertem Gewand ungemein zeitnah wirkten. Jedes Werk erlebte durch die fünf höchst ambitionierten Musikerinnen und Musiker spannungsreiche, mal rhythmisch rasante, mal lyrisch feinstimmige, Träume erzeugende Interpretationen, die in ihrer perfekten Ausführung und farbfrischen Instrumentierung vom ersten Takt an ins Blut gingen.
Sämtliche bisher bestehenden Grenzen zwischen den einzelnen Musikstilen wurden von „Spark“ mit Schwung und Elan überwunden. Das war Musikgenuss der Extra-Klasse, der vor allem aus dem eruptiven, von hinreißender Virtuosität jedes einzelnen Ensemblemitgliedes getragenen Spiel resultierte. Zum Einsatz kamen insgesamt 30 verschiedene Blockflöten und Saiteninstrumente, denen ihre Interpreten immer wieder ungewohnte, avantgardistische Klangformen entlockten. Dazu gesellte sich das Klavier, das in selten zu hörender Leichtigkeit und Gestaltungsvielfalt des Anschlags gespielt wurde. Nicht umsonst wurde die mit Angehörigen aus vier europäischen Nationen besetzte Band „Spark“ von der Deutschen Bundesregierung mit dem Titel „Kultur- und Kreativpilot 2010/2011“ ausgezeichnet.
Die Begeisterung der Konzertbesucher stieg mit jedem Programmteil weiter und äußerte sich am Ende in lautem, von Bravorufen durchzogenem Schlussapplaus, für den „Spark“ noch zwei Zugaben spielte, darunter den rasanten, 1967 in den USA erschienenen Hit aus der Popmusik „Can’t take my Eyes off you“, besonders bekannt geworden in der Version mit Andy Williams. Auch dies ist eine Facette des breit gefächerten Repertoires von „Spark“.

(Mühlacker Tagblatt vom 28.06.2011, Rudolf Wesner; Foto: Fotomoment)
 

Wenn Bach auf Balkan-Beats trifft

Lienzingen Wie präsentiert man der Jugend klassische Musik? Die fünf Musiker des von der Bundesregierung mit dem Prädikat „Kultur- und Kreativpilot 2010/11“ ausgezeichneten Ensembles Spark versprechen, dass ihre grenzüberschreitende Weltmusik, die Verschmelzung von Klassik, Balkan-Beats, Jazzrhythmen, Art-Pop, Minimal Music, barocken Tunes und was es sonst noch im „cross-over-total“-Bereich gibt, „auch für junge Menschen zum Erlebnis wird“.
Beim Konzert der Gruppe in der Lienzinger Frauenkirche, das als Matinee im Rahmen des „Musikalischen Sommers“ stattfand, saß freilich das gleiche Publikum jener meist reiferen Jahrgänge, die auch sonst im Klassik-Konzert-Betrieb anzutreffen sind. Aber sie hatten ihre Freude an dem frischen, ausgelassenen Musizieren, an instrumental-technischer Raffinesse und der musikantischen Dramaturgie der dargebotenen „Downtown Illusions“, mit denen Daniel Koschitzki und Andrea Ritter (Flöten), Stefan Glaus (Violine und Bratsche), Victor Plumettaz (Cello) und Jutta Rieping (Klavier) „Groove in die klassische Avantgarde bringen“ wollen. Der „Funke“ sprang also über, wenngleich die frech formulierten Programmbeschreibungen ziemlich übertreiben: „Radikal und unverschämt sexy“ sind die drei talentierten Jungs und die zwei brav lächelnden Mädels nur manchmal.
Unbestritten bieten ihre „City Sounds from Istanbul to New York“ eine intensive Melange aus imposanten Rhythmus-Empfindungen, lautmalerischer Fantasie, sehnsuchtsvollen und heiteren Stimmungen. Originalität ist das Markenzeichen ihrer wildwüchsigen Arrangements und Interpretationen aufstrebender Newcomer-Komponisten. Da gab es mit verträumtem Solo-Klavierpart Fazil Says 1993 entstandene „Elegy of Old Istanbul“. Schrille Flöten ramponierten mit Hahnenschreien in „When the cock crowed his warning“ eine poesievolle Idylle (von Chiel Meijering, 2007). Die von Zupforgien begleiteten „Groovebox Variations“ (aus „Swing Shift“ von Kenji Bunch, 2002) setzten die Saiteninstrumente heftig in Szene. Auch kamen Paetzold-Bassflöten zum Einsatz, futuristisch anmutende vierkantige Ungeheuer, die wie wummernde Orgelpfeifen den Filmmusik-Song „Jack“ (von Michael Nyman, 1999) untermalten.
Bach und Vivaldi, mit der Einleitung aus „Actus Tragicus“ (BWV 106), beziehungsweise dem Concerto Nr.2 in g-Moll (op. 3) vertreten, hätten sich gewundert, in was für einen Klangrausch sie da geraten waren.

(PZ vom 28.06.2011)


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Barockensemble zeigt sich wandlungsfähig

„La Perla Bizzarra“ eröffnet den Musikalischen Sommer

Das Ensemble „La Perla Bizzarra“ mit (v. li.) Joseph Tan (Violine), Leonard Schelb (Traversflöte), Evan Few (Violine), Ricardo Magnus (Cembalo), Marie Deller (Violoncello), Sopranistin Alice Teyssier und Sam Chapman (Theorbe) entführt auf erfrischende Weise ins Barockzeitalter.MÜHLACKER-LIENZINGEN. Mit einem erfrischend unkonventionellen Auftakt hat der Musikalische Sommer in der Frauenkirche in Lienzingen begonnen. Zu Gast war das Barockensemble „La Perla Bizzarra“ aus Freiburg. Sieben junge Musiker aus Australien, Argentinien, den USA, England, der Schweiz und Deutschland haben sich
2008 zusammengefunden und sich der Pflege der Musik aus der Zeit zwischen 1600 und 1770 verschrieben. Sie treffen sich zwei- bis dreimal im Jahr zu gemeinsamen, dann allerdings sehr intensiven Proben und haben bereits bei Konzerten in Freiburg und Göttingen musikalischen Lorbeer sammeln können. Neben ihren Ensembleauftritten sind alle in irgendeiner Form im musischen Bereich tätig. Gefragt, wie sich denn Erfolg mit so wenigen gemeinsamen Proben erreichen ließe, antwortete die Sopranistin Alice Teyssier: „Es geht, weil wir Freunde sind.“ Alle sind vorzüglich ausgebildete Spezialisten ihres Fachs.

Das Programm ist mit „Amanti Abbandonati“ überschrieben und könnte mit „die Liebenden, die Verlassenen“ übersetzt werden, sagte Ricardo Magnus, der Meister am Cembalo. Auch habe „bizzara“ nichts mit bizarr zu tun, sondern bedeute „das Besondere, Perfekte“. Der Zuhörer konnte das Besondere in ihrer musikalischen Ausstrahlung, der Stilsicherheit der Interpretationen spüren und wurde mit selten aufgeführten Stücken aus jener Epoche erfreut, in der nach der streng und klar gegliederten Renaissance in allen Bereichen der Kunst eine Üppigkeit bis hin zum Überladenden angestrebt wurde.

Wo doch zunächst die Italiener die prägenden Barockmusiker waren, begann La Perla ganz unkonventionell mit dem „Concerto Grosso IX in C-Dur“ des Engländers Charles Avison, allerdings nach Sonaten von Domenico Scarlatti. Nach den Italienern zählen die Franzosen zu den führenden „Barockern“. Neu im Barock war es, einzelnes zusammen zufassen, Tänze zu Suiten, Lieder zu Kantaten wie die von Michel Pignolet de Montéclair „La mort de Didon“, die Sopran und Traversflöte vortrugen. Die deutsche Übersetzung konnte mitgelesen werden, doch nötig war sie nicht, denn Wut, Zorn, Enttäuschung und Leid drückt Alice Teyssier in ihrer Mimik und weit reichenden Modulation ihrer Stimme aus, einfühlsam begleitet von Schelb auf der Traversflöte mit warmem Ton. Eine Chaconne von Gaspard Le Roux folgte. Ausdrucksvolles Zusammenspiel zwischen Flöte, Violone und Basso continuo in Georg Friedrich Händels Trio-Sonate h-moll opus 2 Nummer 1 beeindruckte einmal mehr die Zuhörer.

Als eines der außergewöhnlichsten Stücke seiner Zeit stellte Ricardo Magnus „The blessed Virgin’s expostulation“ für Sopran und Basso Continuo von Henry Purcell vor. Wieder konnte der dunkle, weitreichende Sopran von Alice Teyssier überzeugen. Die „Pièces de Clavecin en Concert“ von Jean Philippe Rameau erwiesen sich für den Cembalisten als „Paradestück“. Neben seinen Mitspielern brillierte Ricardo Magnus an seinem rot-schwarz-golden gefärbten Instrument, das er aus Freiburg mitgebracht hatte.

Mit der Kantate „Tinte a Note di Sangue“ von Domenico Scarlatti – nicht Allessandro, der meist gespielte, wie Magnus betonte – setzte das Barockensemble einen wahrlich zu Herzen gehenden Schlusspunkt, heißt es doch im Text: „Mein betrogenes Herz schickt dir diese in Blut geschriebenen Worte. Meine Seele, seufze; das sind die Früchte meines Weinens und meiner Traurigkeit“.

Auch diese Tragik einer Verlassenen ließen die Interpreten fühlbar spüren und zeigten nochmals ihre große Wandlungsfähigkeit. Auf diese Weise erlebten die Zuhörer in der leider nicht voll besetzten Frauenkirche einen außergewöhnlichen Musikgenuss.
Mit einer Zugabe aus Händels „Julius Cäsar“ verabschiedete sich das Ensemble der sieben Barockmusiker, von denen jeder auch als Solist sein Gewicht in die Waagschale werfen kann. Den musikbegeisterten Besuchern wird diese Matinee noch lange in Erinnerung bleiben.

(Mühlacker Tagblatt vom 07.06.2011, Text und Foto: Eva Filitz)
 

Musik voller Emotionen

Mit einer außergewöhnlichen und gut besuchten Matinee startete der Musikalische Sommer Lienzingen in seine neue Saison. Schon das Erscheinungsbild des international besetzten Freiburger Barockensembles „La Perla Bizzarra” passte hervorragend zu dem schönen Ambiente der spätgotischen Frauenkirche. Mit jugendlich-frischem Charme brachten die sieben jungen Musiker Stücke des 17. und 18. Jahrhunderts zu Gehör, die selten im Konzertsaal erklingen. Charles Avisons Concerto Grosso IX C-Dur nach Sonaten von Domenico Scarlatti beispielsweise verliehen Ricardo Magnus (Cembalo), Marie Deller (Violoncello), Leonard Schelb (Traversflöte), Evan Few und Joseph Tan (Violine) sowie Sam Chapman (Theorbe) eine sinnlich-farbenfrohe Note. Treibende Kraft waren die Streicher, während der im ganzen Konzert überzeugende Cembalist für deutliche Akzente sorgte.

Verlassene Liebende
Händels zauberhafte Triosonate h-moll op. 2 Nr. 1 in einmaliger Besetzung mit Traversflöte gelang dem 2008 gegründeten Ensemble besonders gut. Hier wurde angenehm ruhiges, tief-emotional getragenes Musizieren offenbar. Dem melancholisch anmutenden Andante mit lyrischer Flöte folgte ein schnelles Allegro mit einer beachtenswerten Cellistin. Schade nur, dass der Theorbe-Spieler sein 14-saitiges Instrument nicht immer vollends zur Geltung bringen konnte. Was das Motto des Konzertes „Amanti Abbandonati“ (Verlassene Liebende) bedeutete, demonstrierte vor allem die Sopranistin Alice Teyssier. Ihre theatralisch-ausladende Gestik war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Was die stimmliche Leistung angeht, so konnte sich die zierliche Französin von Auftritt zu Auftritt steigern. Merkwürdig, dass sie aber gerade in ihrer Muttersprache bei der Kantate „La Mort de Didon“ von Montéclair nicht die beste Artikulation aufwies. Mit ausdrucksstarken und koloraturleichten Arien gestaltet Teyssier vor allem Scarlattis Kantate „Tinte a Note di Sangue“.

(Pforzheimer Zeitung vom 08.06.2011)


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Zwei Hochkaräter unter einem Schirm vereint

Förderverein "Mühlacker Klassik" unterstützt Konzertreihen

Peter Wallinger, Begründer und musikalischer Leiter der Reihen "Musikalischer Sommer" und "Mühlacker Concerto", holt seit Jahren hochkarätige Künstler in den Uhlandbau und die Lienzinger Frauenkirche. Davon legen nicht zuletzt die Veranstaltungsplakate Zeugnis ab. Foto: privatZwei hochkarätige, in Mühlacker beheimatete Festivals werden künftig aus einer Hand betreut: Ein gemeinsamer Förderverein möchte sowohl den "Musikalischen Sommer" als auch die Reihe "Mühlacker Concerto" weiter voranbringen.

Mühlacker (pm). Die entscheidende Weichenstellung erfolgte jüngst bei der gut besuchten Mitgliederversammlung des Fördervereins "Musikalischer Sommer Frauenkirche Lienzingen", an der auch der Mühlacker Oberbürgermeister Frank Schneider teilnahm. Auf der Tagesordnung stand die vom Vorstand, den Sponsoren und der Familie Wallinger erarbeitete Konzeption, die sich damit befasst, wie die Konzertreihen "Musikalischer Sommer" und "Mühlacker Concerto" enger verzahnt werden können.

Die in der Lienzinger Frauenkirche stattfindende Konzertreihe "Musikalischer Sommer", auf Privatinitiative des Musikers und Lehrers Peter Wallinger im Jahr 1977 ins Leben gerufen, erfreut sich seit ihrer Gründung überregional steigender Besucherzahlen. Zur Unterstützung wurde 1997 ein Förderverein gegründet, der aktuell 120 Mitglieder zählt und von den Vorsitzenden Wolfgang Rieger und Dr. Johannes Bastian betreut wird. Der Schwerpunkt dieser überregional bekannten Konzertreihe liegt auf der Darbietung kammermusikalischer Werke.

Im Jahr 2005 war es wieder Peter Wallinger, der als Pendant zum "Musikalischen Sommer" mit "Mühlacker Concerto" eine Wintersaison initiierte, die im Uhlandbau stattfindet mit Schwerpunkt auf symphonischen Werken. Dass dieser Saal nicht nur auf eine großartige musikalische Tradition zurückblicken kann, sondern zudem über eine exzellente Akustik verfügt, wird oft vergessen. Weltbekannte Künstler von Rudolf Serkin, Walter Gieseking, Fritz Busch, Carl Orff bis Gottlob Frick waren in dem in den 20er Jahren entstandenen Bau zu Gast.

"Orchestra in residence" der Uhlandbau-Reihe unter Leitung von Peter Wallinger ist seither die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, ein mit Profimusikern aus dem ganzen süddeutschen Raum besetztes Projektorchester, das für sechs bis sieben Arbeitsphasen im Jahr zusammenkommt und seit seiner Gründung im Jahr 1984 ebenfalls von einem Förderverein unterstützt wird.

Initiatoren erhoffen sich stärkere Identifikation

Da "Mühlacker Concerto" bisher vom Verein "Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim" gefördert werde und nur in geringem Maße lokale beziehungsweise regionale Fördergelder flössen, sei ein Sponsoring dieser Reihe auf Grund fehlender Identifikation langfristig in Frage gestellt, erläutert Peter Wallinger die Hintergründe des gemeinsamen Vorstoßes von Verein und Stadt, die sechs bis sieben Sommerkonzerte in der Frauenkirche in Lienzingen und die drei bis vier Winterkonzerte im Uhlandbausaal in Mühlacker unter einem gemeinsamen Schirm zusammenzufassen.

Die Mitglieder des Fördervereins "Musikalischer Sommer" stellten sich dieser Herausforderung und beschlossen nach einer lebhaften Diskussion einstimmig eine Änderung der Satzung. Der bisherige Förderverein "Musikalischer Sommer Frauenkirche Lienzingen" fungiert unter dem neuen Namen "Mühlacker Klassik e.V.", der in Zukunft beide Konzertreihen ideell und materiell unterstützt.

"Mühlacker bietet damit zwei Konzertreihen an historisch bedeutsamen Orten, die hochkarätige Solisten und Ensembles präsentieren - und das zu Eintrittspreisen, die in Anbetracht der Qualität der Konzerte als ,Schnäppchen' bezeichnet werden müssen", betonen die Verantwortlichen in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Der Förderverein "Mühlacker Klassik e.V." erhoffe sich mit diesem Schritt nach vorn nicht nur eine bessere Wahrnehmung der beiden sich ergänzenden Konzertangebote, er hoffe auch, dass neue Mitglieder die Arbeit des Fördervereins unterstützen und dass die Stadt Mühlacker sich noch stärker als bisher mit diesem kulturellen Angebot identifiziere.

(Mühlacker Tagblatt vom 24.05.2011, p)


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Den Sommer zum Klingen bringen

Festival in Lienzingen wird fortgesetzt: Sechs Matineen vom 5. Juni bis 25. September in der Frauenkirche

In der Lienzinger Frauenkirche hat sich seit mehr als drei Jahrzehnten die Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ zu einer festen Instanz im kulturellen Leben der Region entwickelt. Auch dieses Jahr wartet ein attraktives Programm auf die Musikfreunde.

Hochkarätige Konzerte in der Frauenkirche verspricht das neue Programm der Reihe „Musikalischer Sommer“Mühlacker-Lienzingen (pm). Jahr für Jahr lockt das von Peter Wallinger initiierte und geleitete Festival ein fachkundiges Publikum auch aus der weiteren Umgebung an. Renommierte Ensembles aus ganz Europa, aber auch hoch begabte Nachwuchstalente sowie die hervorragende Akustik in der mit kunsthistorisch bedeutenden Malereien und Steinmetzarbeiten geschmückten Frauenkirche machen die Konzertreihe zu einem Kleinod.

Eröffnet wird die diesjährige Veranstaltungsreihe am Sonntag, 5. Juni, 11 Uhr, mit dem Freiburger Barockensemble „La Perla Bizzarra“ und der australischen Sopranistin Alice Teyssier. Unter dem Motto „Amanti Abbandonati“ bieten die sieben jungen Barockspezialisten erfrischend und ganz unverstaubt weltliche Kantaten voller Leidenschaft von Scarlatti, Händel, Purcell und Montéclair sowie einige der schönsten Instrumentalstücke jener Zeit.

Hochkarätige Konzerte in der Frauenkirche verspricht das neue
Programm der Reihe „Musikalischer Sommer“ - Foto:Arciv

Heiße Kammermusik, die zündet, verspricht die Matinee am Sonntag, 26. Juni, um 11 Uhr mit fünf Musikern aus fünf Kulturkreisen, an ihrer Spitze der Blockflötenvirtuose Daniel Koschitzki, die sich zur funkensprühenden klassischen Band, zu „Spark“ formierten. Virtuos und völlig unverkrampft bewegt sich das Quintett mit seinem aktuellen Programm „Downtown Illusions“ zwischen den verschiedensten musikalischen Welten: Bach wird mit zeitgenössischer Avantgarde kombiniert, ein Vivaldi-Konzert trifft auf rockige Minimalklänge, Fauré wird von Weltmusik umrahmt, Newcomer kommentieren klassische Meister. Neben eigenen Stücken und Arrangements spielt „Spark“ Werke international renommierter Komponisten – anspruchsvolle Musik zum Anfassen, die auch für junge Menschen zum Erlebnis wird. In ihrer diesjährigen Sommerlichen Serenade am Sonntag, 10. Juli, 11 Uhr, stellt die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger zwei exzellente japanische Künstler in Vivaldis brillantem Doppelkonzert für zwei Violoncelli vor: Chihiro Saito ist Cellistin des Lotus String Quartet, Gen Yokosaka gewann 2010 den zweiten Preis im renommierten ARD-Wettbewerb. Im Mittelpunkt des weiteren Programms steht Tschaikowskys mitreißende Streicherserenade C-Dur neben musikalischen Kleinodien von Mozart und Dvorak.

Junge Talente mit der ihnen eigenen Ausstrahlung geben im „Podium junger Künstler“ am Sonntag, 24. Juli, 11 Uhr, wieder den Ton an. Preisträger von „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“ werden Kammermusik in unterschiedlichen Formationen von Mozart bis Brahms, aber auch brandneue Kreationen aus der Feder junger Komponisten zu einem spannenden musikalischen Menü zusammenstellen. Nach der Sommerpause ist am Sonntag, 11. September, 11 Uhr, erneut das „Lotus String Quartet“ mit Streichquartetten des späten Wolfgang Amadeus Mozart und des jungen Anton Webern in Lienzingen zu hören. In Schumanns einzigartigem Klavierquintett opus 44 tritt als Partner der Pianist und Stuttgarter Hochschulprofessor Cornelis Witthoefft hinzu.

Ein außergewöhnliches Konzerterlebnis ist im Abschlusskonzert am Sonntag, 25. September um 11 Uhr mit dem Auftritt des Internationalen Kontrabass-Ensembles „Bassiona Amorosa“ mit Werken von Bach und Vivaldi bis Chatschaturjan und Paganini zu erwarten. Die besondere Attraktivität liegt in der Klangraffinesse und der virtuosen Darbietung der mit hohen Auszeichnungen dotierten Ausnahmekünstler auf dem tiefsten aller Streichinstrumente.

Die Broschüre „Musikalischer Sommer 2011“ und Eintrittskarten zu ermäßigter Gebühr sind ab Montag erhältlich im Rathaus Mühlacker, bei Buch-Elser in der Bahnhofstraße 62, im Kartenbüro Pforzheim sowie über die Kontaktadresse „Musikalischer Sommer“, Graf-Zaisolf-Straße 20, 75433 Maulbronn-Zaisersweiher, Telefon 07043/40410, Fax 07043/952409.

(Mühlacker Tagblatt vom 19.03.2011, Foto: Archiv)


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Glitzernde Klangpracht

Das Quintett Mannheim Brass spielt zum Saisonabschluss in der Frauenkirche

Zum ersten Mal ist das Blechbläserensemble Mannheim Brass in der Lienzinger Frauenkirche aufgetreten. Die Musiker begeisterten dort die zahlreich erschienenen Besucher des letzten Konzerts der diesjährigen Reihe "Musikalischer Sommer".

Mühlacker-Lienzingen. Kompositionen des Barockzeitalters bildeten einen markanten Kontrast zu Werken aus dem 20. Jahrhundert. Das Ensemble entfaltete vitales Klangformat und beeindruckte mit seiner ausnahmslos hochrangigen Virtuosität.

Die Mitglieder des Quintetts Klaus Bräker und Wolfram Lauel (Trompeten und Flügelhörner), Reimer Kuhn (Horn), Matthias Gromer (Posaune und Euphonium) sowie Stefan Heimann (Tuba) sind Solobläser bei Opernorchestern in Mannheim, Stuttgart oder Karlsruhe.


Das Ensemble Mannheim Brass tritt erstmals in der Lienzinger Frauenkirche auf.   

Seit dem Jahr 1990 besteht Mannheim Brass und verfügt über ein umfangreiches Repertoire, das von der Musik der Renaissance bis hin zum Jazz und zur Avantgarde reicht. In Lienzingen führten sie neben Werken der Barockmeister Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach auch Kompositionen von Claude Debussy, Giacomo Puccini, Astor Piazzolla und George Gershwin in brillanter Klangfülle auf.

Mit einem Concerto in As-Dur von Antonio Vivaldi leiteten die fünf exzellenten Blechbläser ihr Lienzinger Konzert ein. Hier zeigte sich allerdings, dass sie sich erst nach und nach an die spezifische, außerordentlich warme Akustik der Frauenkirche gewöhnen mussten. Zudem spielten sie die drei Sätze der Komposition in dem recht kleinen Kirchenraum mit allzu heftigem Forte. Das änderte sich jedoch alsbald bei den weiteren Programmteilen. Insgesamt aber faszinierte die Brillanz und strahlende Helligkeit, mit der sowohl die Vivaldi-Komposition wie auch danach das Konzert As-Dur, BWV 1055, von Johann Sebastian Bach ausgeführt wurden. Delikat klangen die drei Sätze der "Petite Suite" von Claude Debussy, mit der Mannheim Brass schon im ersten Teil des Konzerts einen beherzten Sprung von der Barockzeit in das 20. Jahrhundert vollführte. Von bezaubernder Leichtigkeit geprägt war die Aufführung dieses Werks des Komponisten des französischen Impressionismus. Von empfindungsreicher Melodik oder auch von kraftvoller Rhythmik getragen waren die Kompositionen, mit denen Mannheim Brass im zweiten Teil des Konzert in der Lienzinger Frauenkirche begeisterte.

Aus der wenig bekannten Oper "Le Villi", einem im Jahr 1884 entstandenen Frühwerk von Giacomo Puccini, war ein empfindungsreich musizierter Auszug zu hören. Zwei Tangos aus der Feder von Astor Piazzolla gaben die fünf Musiker jenen leicht wehmütigen Ton, der viele Stücke dieses Komponisten kennzeichnet. Mit Feuer gestalteten sie abschließend von George Gershwin die Cuban Overture und breiteten damit noch einmal die glitzernde Klangpracht aus, mit dem das Blechbläser-Quintett Mannheim Brass die Konzertbesucher nachhaltig begeisterte.

Winterliches Pendant der Konzertreihe zieht zunächst in den Mühlehof um

Mit dem Verlauf der Konzertsaison 2010 des "Musikalischen Sommers" war dessen Initiator und künstlerischer Leiter Peter Wallinger sehr zufrieden. Insgesamt sieben qualitätsreiche Matineen fanden in diesem Jahr in der Lienzinger Frauenkirche statt. Im Übrigen steht fest: Auch im Jahr 2011 wird es dort den "Musikalischen Sommer" geben. Als winterliches Pendant dazu setzt Peter Wallinger die Reihe "Mühlacker Concerto" fort. Wegen der Renovierungsarbeiten im Uhlandbau findet das erste von drei Konzerten am 4. Dezember im Gottlob-Frick-Saal des Mühlehofs statt. Beginn ist um 20 Uhr. Unter Wallingers Leitung musiziert die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim Werke von Debussy, Mozart und Schubert. Der Titel des Konzerts "Klangzauber" verspricht edlen Musikgenuss, zumal als Solist der blinde Pianist Bernard d'Ascoli gewonnen wurde.

(Mühlacker Tagblatt vom 28.09.2010, Rudolf Wesner - Foto:Fotomoment)
 


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Musiker präsentieren Labsal für die Ohren

Lotus String Quartet zu Gast beim "Musikalischen Sommer"

Lotus String QuartetMühlacker-Lienzingen. Das Lotus String Quartet hat im Lauf der zurückliegenden Jahre, in denen es regelmäßig während des "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche zu hören war, in unserer Region eine große Fangemeinde gewonnen. Auch am Sonntag bestachen die drei in Japan geborenen Musikerinnen und ihr Kollege aus Ludwigsburg mit edlem Streicherklang. Als Gast wirkte Konstanze Brenner vom Radiosinfonieorchester Stuttgart am Kontrabass mit.

 

 

Das Lotus String Quartet hat sich eine große Fangemeinde erspielt und lockt zahlreiche Klassikfreunde in die Frauenkirche.

Musikalische Labsal schenkten Sachiko Kobayashi und Mathias Neundorf (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) den zahlreich erschienenen Besuchern des Konzerts am Sonntagvormittag in der Frauenkirche. Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Schumann und Antonín Dvorák hatten sie dafür ausgewählt. Mit lieblichem und zartem, silbrig hellem Klang leiteten sie die Aufführung des Streichquartetts B-Dur, KV 589, das Mozart im Mai 1790 komponierte, ein. Die vitale Musizierfreude des Lotus String Quartet trat bereits hier lebendig zu Tage, so dass der in leichtem tänzerischen Schwung dargebotene Allegro-Satz, der einem Menuett alle Ehre gemacht hätte, bereits zu einer musikalischen Köstlichkeit gedieh. Das kantable Hauptthema des Larghettos gestaltete zunächst die Cellistin Chihiro Saito feinstimmig, bevor es von den anderen Instrumenten elegant und schwebend weitergeführt wurde. Heiter bewegt erklang das Menuett, und mit glitzerndem Spiel führte das Ensemble den vierten Satz in frischem Tempo zu einem eindrucksvollen, spannungsreichen Finale.

Virtuoses Finale in vehementem Tempo

Von lebensfrohen Stimmungen getragen ist auch das Streichquartett F-Dur, Opus 41, Nummer zwei, das Robert Schumann im Jahr 1842 schrieb. Das Lotus String Quartet lotete diese Elemente in leuchtender Klangpracht aus. Warm und füllig gestaltete das Ensemble das weit gespannte Thema des ersten Satzes. Lyrisch und anmutig in ruhigem Fluss wurde das Andante musiziert, während die Musikerinnen und der Musiker das Scherzo lebhaft und voller antreibender Energie interpretierten. Mitreißend virtuos und in vehementem Tempo verliehen sie im abschließenden Allegro der Wiedergabe des Schumann-Werks einen kraftvollen Ausklang.

Aus dem reichhaltigen kammermusikalischen Lebenswerk von Antonín Dvorák wählte das Lotus String Quartet für sein Konzert in der Frauenkirche das Streichquintett in G-Dur, Opus 77, aus, zu dessen Gestaltung sie Konstanze Brenner, Solokontrabassistin beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, einluden. Sie war kurzfristig für den ursprünglich vorgesehenen, jedoch verhinderten Solisten an diesem Instrument, Wolfgang Güttler, bei dem sie auch studiert hatte, eingesprungen. Auch diese Komposition aus dem Jahr 1887 weist eine Fülle überraschender und hinreißender kompositorischer Einfälle auf, mit denen Dvorák die Freunde seiner Musik stets beglückte. Das Ensemble ließ von den ersten Takten des Kopfsatzes an nuancenreiches, in drängendem Tempo ausgeführtes Spiel hören. Die markanten Kontraste des Scherzo-Satzes traten glutvoll dargeboten deutlich hervor, wobei der lyrisch melodiöse Mittelteil mit betörender Zartheit ausgeführt wurde. Seelenvoll und träumerisch war der dritte Satz mit der Überschrift "Poco Andante" zu vernehmen.

Im Finale übertrafen die fünf Ensemblemitglieder ihren bisher schon unvergleichlich glanzvollen Streicherklang und verdichteten die Wiedergabe des Satzes zu einem rauschhaften Hörerlebnis.

Danach brach anhaltender, freudiger Beifall aus, für den sich das Quintett mit einer Zugabe bedankte.

(Mühlacker Tagblatt vom 14.09.2010, Rudolf Wesner - Foto:Fotomoment)
 

Homogene Streicherkunst

Das Lotus-String-Quartet begeistert beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen

Lienzingen. Ausgewogen und klangschön, jede Stimme stimmig ausgeformt, so präsentiert sich das Lotus-String-Quartet in der Lienzinger Frauenkirche beim „Musikalischen Sommer“. Dass das ursprünglich von Japanerinnen gegründete Streichquartett schon seit 2005 mit Mathias Neundorf einen zweiten Geiger hat, der nicht aus Asien stammt, hat der Homogenität des Klanges, aber auch der Übereinstimmung in interpretatorischen Dingen keinen Abbruch getan.

Von der Primaria Sachiko Kobayashi subtil geführt, entfaltet das Quartett schon bei Mozarts B-Dur-Quartett KV 589 einen ungebremsten Klangfarbenzauber. Details werden organisch eingebunden, nicht analytisch herausgemeißelt, apollinische Helle ohne Eintrübungen, wie sie bei mehr der historischen Aufführungspraxis verpflichteten Ensembles heute zu erleben sind, prägt das Spiel. Im zweiten Satz kann auch die Cellistin Chihiro Saito sich mit delikater Tongebung in den Vordergrund rücken, schrieb Mozart das Quartett doch für den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II, einen engagierten Cello-Amateur. Schwelgerisch, dicht, die musikalische Fraktur dennoch fein nachzeichnend, setzt sich das Damentrio nebst zweitem Geiger auch für Robert Schumanns zweites Streichquartett F-Dur op. 41,2 ein. Auch wenn der Komponist im Vorfeld seines Kammermusikjahrs 1842 sich viel mit Werken Beethovens beschäftigte, so ist das F-Dur-Quartett doch mehr Mendelssohn Bartholdy verpflichtet. In der Lienzinger Frauenkirche spürt das Lotus-Ensemble der romantischen Emphase des Werkes mit subtiler Farbdramaturgie und differenzierter Emphase nach.

Fast orchestrale Klangfülle zeichnet Dvoraks Streichquintett op. 77 aus. Im Gegensatz zu Mozart oder Schubert hat Dvorak für das G-Dur-Quintett weder die Bratsche noch das Cello verdoppelt, sondern einen Kontrabass hinzugefügt. Die für Wolfgang Güttler eingesprungene Konstanze Brenner, Solo-Kontrabassistin des Radiosinfonieorchesters Stuttgart, fügt sich bruchlos in die musikalische Welt des Lotus-String-Quartet ein. Feurig wird schon der Kopfsatz angegangen, das Scherzo erhält mitreißendes tschechisches Kolorit, das Andante wird subtil ausgekostet, während das Finale den Überschwang vom Lotus-String-Quartet mitbekommt, das viele Werke Dvoraks auszeichnet.

(Pforzheimer Zeitung vom 13.9.2010, Thomas Weiss)


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Von Celibidache viel gelernt

Der Dirigent und Festivalleiter Peter Wallinger arbeitet gerne freischaffend

Peter Wallinger, Foto:  Sebastian SeibelMAULBRONN. „Den Schritt in die freiberufliche Existenz habe ich nie bereut“, sagt der Dirigent Peter Wallinger. Wobei er sich in der privilegierten Lage befindet, in seinen angestammten Beruf des Musiklehrers an einem Gymnasium in Bietigheim zurückkehren zu können. „Ich lasse mich immer wieder für ein Jahr freistellen“, erläutert der künstlerische Leiter des Festivals „Musikalischer Sommer“ in Lienzingen. Den Eindruck, dass er bald in sein früheres Betätigungsfeld zurückkehren könnte, macht Wallinger indes nicht.

Zu sehr scheint er neben seiner Funktion als Festivalleiter und der Leitung des Projektorchesters „Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim“, das seit fünf Jahren auch einen Konzertzyklus in Mühlacker spielt, als Gastdirigent beansprucht. „Und endlich habe ich auch die Zeit, Partituren wie „Mahlers Lied von der Erde“ für eine kleinere Orchesterbesetzung zu bearbeiten“. Während seines Schuldienstes habe er solche Projekte infolge Zeitmangels nicht bewerkstelligen können.

Brotberuf hatte Vorrang
Dass Wallinger Schulmusiker geworden ist und nicht von Beginn seines Studiums an eine Musikerkarriere angestrebt hat, verdankte er dem Widerstand seines Vaters, der offensichtlich von der Brotlosigkeit einer solche Existenz überzeugt war: „So habe ich Schulmusik mit Mathematik als Nebenfach studiert“. Was in Stuttgart durchaus in Stress ausarten konnte, hetzte er doch zwischen Musikhochschule, intensivem Geigenüben und Vorlesungen an der über eine halbe Stunde entfernt liegenden Universität häufig hin und her.

Kapellmeisterklasse besucht
Aber die intensive Beschäftigung mit der Musik habe ihn nicht losgelassen. „Während meines Schulmusikstudiums habe ich auch noch die Kapellmeisterklasse besucht“, sagt Wallinger, der zudem auch in Tübingen noch Musikwissenschaft studiert hat. Wichtige Impulse erhielt er aber außerhalb der Hochschule: Als der legendäre Sergiu Celibidache zum SWR-Rundfunkorchester nach Stuttgart kam, gab es für einen ausgewählten Kreis nach den Orchesterproben Unterricht. Wobei, wie Wallinger schildert, Fragen über Schlagtechnik oder ähnlichem für den großen Rumänen nicht zur Diskussion standen. „Es ging ihm um die Arbeit am Klang“.

Vor den Kopf gestoßen
Dies habe man besonders in den Proben, denen man beiwohnen durfte, auch ganz praktisch erfahren. „Wie hier in die Tiefe gegangen wurde, hat sich bei mir im Gedächtnis eingegraben“. Dass Celibidache schwierig gewesen sei, seine ihm oft sehr ergebenen Schüler vor den Kopf gestoßen habe, erläutert Wallinger an einem Beispiel: Einmal habe der große Dirigent einen spanischen Lieblingsschüler, den er als Dirigent in einem Konzert gehört habe, nach vielen Jahren der Zusammenarbeit einfach aus dem Unterricht hinausgeworfen, weil dieser nach Celibidaches Meinung „musikalisch alles nur“ imitiert habe.

Viele Schüler wurden Musiker
Nach der Stuttgarter Zeit wurde das Gymnasium in Bietigheim und die aus dem Unterrichten resultierende Gründung der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim für lange Zeit das Zentrum seiner Aktivitäten. „Inzwischen sind rund 80 meiner früheren Schüler Berufsmusiker geworden“ sagt Wallinger nicht ohne Stolz, die bekannteste wohl die Geigerin Ursula Schoch (heute Konzertmeisterin am Concertgebouw Orchester Amsterdam), die immer wieder als Solistin bei ihm auftritt. „Die Kammersinfonie entstand aus dem Wunsch von Schülern, die in meinem Schulorchester gespielt hatten, auch während des Studiums mit mir zu musizieren“. Inzwischen ist das Ensemble ein hochprofessionelles Projektorchester, bei dem an den ersten Streicherpulten beispielsweise das Lotus-String Quartett sitzt.

Gastdirigate im Osten
Aber auch bei den Bläsern kann Wallinger sich auf erstklassige Musiker aus den großen Stuttgarter Orchestern verlassen, die sich, wenn möglich, die Termine der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim freihalten würden. Gastdirigate führen Wallinger inzwischen vor allem nach Osteuropa. „Den Kontakt zum Rundfunkorchester Bukarest hat eine Geigerin vom Stuttgarter Staatsorchester ermöglicht“. In Rumänien arbeite er zudem gerne mit der Philharmonie in Klausenburg zusammen, aber auch in der Slowakei stand er schon am Pult wie bei der Slowakischen Sinfonietta Zilina.

Dass er nicht noch häufiger dort dirigieren könne, läge auch daran, dass er keine Gegeneinladungen für die Orchester nach Deutschland aussprechen könne, wie dies immer wieder gewünscht würde. Hier gäbe es einfach keinen Markt für die teilweise beachtlich guten Orchester.

Dennoch ist Wallinger mit der augenblicklichen Situation nicht unzufrieden, auch mit der positiven Weiterentwicklung in Lienzingen, aber auch der Konzertreihe in Mühlacker. „Die Resonanz ist sehr gut“. Problematisch sei aber die Podiumssituation im Uhlandbau in Mühlacker. Der den Klang stark dämpfende Vorhang hinter dem Orchester müsse unbedingt entfernt werden, ist einer der Wünsche Wallingers, der nur ganz selten mit leichter Wehmut an seine Zeit als Musiklehrer zurückdenkt.

(Pforzheimer Zeitung vom 20.08.2010, Thomas Weiss- Foto: Sebastian Seibel)

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Talente bestechen als Komponisten

" Musikalischer Sommer" in Lienzingen bietet jungen Künstlern ein Podium

Mühlacker-Lienzingen. Im Rahmen der Reihe "Musikalischer Sommer" erhalten auch junge Künstler eine Plattform, um sich den Konzertbesuchern vorzustellen. Am Sonntag traten außer sieben Instrumentalisten auch zwei Komponisten mit ihren Werken, auf, von denen drei in der Frauenkirche ihre Uraufführung erlebten.

Aus Maulbronn-Zaisersweiher, aus Ettlingen, Baden-Baden und Stuttgart kamen die hoffnungsvollen Könner auf ihren Instrumenten und boten erstaunliche Leistungen. Gleich zu Beginn beeindruckte der 13-jährige Maximilian Schairer aus Stuttgart mit einer nuancenreichen Gestaltung von Präludium und Fuge cis-moll von Johann Sebastian Bach. Später waren es die "Variationen über den Namen Abegg", Opus eins, von Robert Schumann, die der junge Pianist mit hinreißender Bravour temporeich und mit schwebend leichtem Anschlag interpretierte. Es hat den Anschein, als würde hier ein neuer "Tastenlöwe" heranwachsen. Doch auch das Ensemble Tripla Ars Musica aus Ettlingen überraschte. Es besteht aus den hochtalentierten Geschwistern Fuchs, der elfjährigen Geigerin Annika, ihrem 14-jährigen Bruder Martin (Klarinette) und dem 16-jährigen Pianisten Christian. Sie führten einen anspruchsvollen Satz aus einem Trio für Klarinette, Violine und Klavier von Aram Chatschaturjan in seiner glitzernden Farbigkeit klangschön aus.

Andru Matuschka, geboren 1996, lebt in Baden-Baden und erwies sich außerordentlich talentiert als Geiger und auch als Komponist. Sein mystisch und verklärt anmutendes Werk "nun mach's" nach einem Motiv von Robert Schumann für Violine solo präsentierte er mit hoch entwickelter Spieltechnik. Von Simon Wallinger, Jahrgang 1992, war eine Komposition für Viola und Klavier als Opus fünf in einer Uraufführung zu hören. Der in Taiwan geborene Viola-Interpret Chia-Long Tsai wurde von Simon Wallinger am Klavier begleitet. In dem Werk entwickeln sich aus einem zögerlich einsetzenden, sehnsuchtsvollen Thema zunächst meditative Klangfolgen, die von dramatisch ausbrechenden Phasen gefolgt werden und einen starken Stimmungswechsel erkennen lassen. Die beiden jungen Interpreten gestalteten das Stück mit überzeugender Virtuosität.

Doch nicht nur Nachwuchssolisten hatten am Sonntag Zutritt zum "Podium junger Künstler", sondern auch junge Orchestermusiker, denn Peter Wallinger hatte extra für das Konzert in der Lienzinger Frauenkirche ein Projektorchester zusammengestellt. Unter seiner Leitung wurden zwei Konzertstücke uraufgeführt. Zunächst stand "Opus vier" von Simon Wallinger auf dem Programm. Nach einer langsam sich aus einzelnen Tonfolgen entfaltenden Passage mit lebhaft bewegten Klangfiguren verdichtete sich das Werk zu spannungsvollem Ausdruck. Das anschließend dargebotene Stück "Coronae Berenices" von Andru Matuschka fügte sich aus einer Vielzahl kurzer, zart gespielter Motive zu einem verklärt und weltabgewandt wirkenden Werk zusammen. Beide im tonalen Bereich angesiedelten Kompositionen wurden mit anerkennendem Beifall bedacht. Das junge Orchester bestach mit ausgewogenem und klarem Klang - auch in noch deutlicherem Maß bei der Aufführung der Serenade für Streichorchester von Edward Elgar, mit der das Konzert schloss.


Trio mit hohem musikalischen Anspruch: Annika Fuchs spielt mit elf Jahren unübertrefflich perfekt die Violine, ihr 14-jähriger Bruder Martin (re.) beherrscht meisterlich die Klarinette und der Älteste der Geschwister, Christian, zeigt sich mit 16 Jahren souverän am Klavier. Foto: Fotomoment

(Mühlacker Tagblatt vom 27.07.2010, Rudolf Wesner - Foto:Fotomoment)

Bildreihe weiterer Teilnehmer am „Podium junger Künstler“:

MaximilianSchairer
Andru Matuschka Maximilian Schairer am Konzertflügel (links oben)

Chia-Long Tsai und Simon Wallinger interpretieren dessen Opus 5 für Viola und Klavier (rechts oben)

Andru Matuschka spielt seine Komposition für Violine solo (links unten)

Alle Fotos: Fotomoment


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Spannende Begegnung mit Fernost

Dr. Manfred Dahmer stellt dem Publikum in der Lienzinger Frauenkirche die chinesische Griffbrettzitter Qin vor

Die Frauenkirche in Lienzingen hat Raum geboten für die Begegnung mit der jahrtausendealten siebensaitigen Musik auf der Qin, dem chinesischen Weltkulturerbe.

Mühlacker-Lienzingen (ew/cb). Universeller, altchinesischer Geist begegnete am Sonntag abendländischen Entsprechungen in Dichtung und Musik im dafür bestens geeigneten spätgotischen Raum der Frauenkirche, und die Zuhörer erlebten mit der klassischen chinesischen Griffbrettzitter Qin einen musikalischen Gast, der höchste Anerkennung genießt: Im November 2003 wurde die Qin-Kunst von der Unesco in die Liste des mündlichen und nichtmateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Kein Wunder, denn die Qin besaß seit frühester Zeit eine Sonderstellung in der chinesischen Kulturgeschichte: Für kein anderes Instrument wurde so viel Musik aufgeschrieben und überliefert. Im Rahmen des Festivals "Musikalischer Sommer" brachte Dr. Manfred Dahmer das Instrument dem Publikum nahe. Der Musiker, Musikwissenschaftler und Sinologe beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten mit der Qin und dem kulturellen Hintergrund. In Lienzingen zeigte er sich als Vorkoster und Vermittler und präsentierte einen energievoll gespannten Bogen mit Erläuterungen zur Geschichte des Instruments und zu den komplexen Spielanweisungen der Notation, die einem wirklich "chinesisch" vorkommen mochte. Darüber hinaus las er Gedichte zur Qin im chinesischen Original und übertrug diese ins Deutsche.

Dr. Manfred DahmerEs stellte sich Zentrierung ein, Präsenz, Stille. Dahmers Saiten und Verse ergaben ein sinnliches "Glasperlenspiel", das die Zuhörer berührte und beeindruckte. Der Mut des Initiators der Reihe, Peter Wallinger, mit der Qin ein außergewöhnliches Instrument ins Programm aufzunehmen, hat sich ausgezahlt.


Foto: Ungewöhnliche Klänge: Dr. Manfred Dahmer spielt in der Lienzinger Frauenkirche auf der klassischen chinesischen Griffbrettzitter, Fotomoment

 

(Mühlacker Tagblatt vom 20. Juji 2010, ew/cb)


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Anmutig und kraftvoll

Edle Streicherpracht verbindet sich mit zartem Marimbaklang

Mühlacker-Lienzingen. Zur Fortsetzung der Reihe "Musikalischer Sommer" in der Lienzinger Frauenkirche gestaltete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger ein sommerlich heiteres Konzertprogramm mit dem Titel "Mediterrane Streifzüge". Darin fügte sich der ausgewogene und doch auch voluminöse Klang des Streichorchesters mit den fülligen und warmen Tönen, wie sie die hervorragende Solistin Katarzyna Mycka der Marimba entlockte, zusammen.

Doch zunächst entführten Peter Wallinger und das Orchester die Zuhörer weit zurück in eine frühe Periode der Musikgeschichte zu Claudio Monteverdi, der im Jahr 1607 mit "Orfeo" die erste Oper überhaupt komponierte. Daraus waren vier Instrumentalsätze zu hören. Anmutig tänzerisch erklang in edler Streicherpracht die Ouvertüre. Drei weitere Sätze wiesen unterschiedliche Charakteristiken auf, die transparent ausgebreitet wurden.
Katarzyna Mycka ist eine hoch dekorierte Könnerin auf dem Schlaginstrument Marimba. In der Frauenkirche interpretierte sie, feinstimmig begleitet, eine Bearbeitung des Concertos für Cembalo oder Violine solo von Johann Sebastian Bach für ihr Instrument, dessen vibrierender Klang die Strenge der Barockkomposition aufhob. Sehr nuanciert führte Katarzyna Mycka dieses ungewöhnliche Arrangement des Bach-Werks aus. Außerordentlich tempobetont und voller Musizierfreude spielte die Virtuosin zwei Sätze des zeitgenössischen Konzerts für Marimba und Streichorchester von Emmanuel Séjourné. Hier entfaltete sie ihre vollendete Virtuosität mit Bravour und voller Energie, ohne dabei auf einen samtweichen Anschlag mit den vier Schlegeln zu verzichten. Das war ein wahrer Musikgenuss. Katarzyna Mycka bedankte sich für den lebhaften Beifall mit einem zarten Schlaflied.

Auch im zweiten Teil des Konzerts bestachen die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit unvergleichlich lebendigem und dichtem Streicherklang. Von Nino Rota, vor allem bekannt geworden mit seiner Musik zu den Filmen "Der Pate", wurden aus seinem "Concerto per Archi" Scherzo und Allegro als echtes Bravourstück aufgeführt, denn weite Melodiebögen und markante rhythmische Elemente bildeten darin vitale Ausdruckskontraste. Elegant, mal tänzerisch sehr leicht bewegt, mal auch langsam in elegischem Ton schreitend, bot das Orchester unter Peter Wallingers Leitung zum Abschluss die dritte Suite "Antiche Danze ed Arie", einer populären Folge von Bearbeitungen alter Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Ottorino Respighi, die sich als weitere musikalische Delikatesse erwies.

(Mühlacker Tagblatt vom 06.07.2010, Rudolf Wesner - Foto:Fotomoment)


Katarzyna Mycka ist eine hoch dekorierte Könnerin auf dem Schlaginstrument Marimba. Foto: Fotomoment

Impressionen des Südens

MÜHLACKER-LIENZINGEN. „Mediterrane Streifzüge“ versprachen Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen. Tatsächlich waren (wegen drückender Hitze) nicht nur Dirigent und Instrumentalisten gekleidet, als stünde der Aufbruch in die Toskana kurz bevor. Auch die gebotene Musik leuchtete in sommersatten Farben.

Die einleitend musizierten Instrumentalstücke aus Claudio Monteverdis Bühnen-Märchen „Orfeo“ zelebrierten im Wechsel temperamentvoll aufgehellte und dunkel traurige Sätze, kamen gemessenen Schrittes daher oder tänzerisch leicht. Später gab es ein in manchen Passagen südländisch glühendes „Concerto per Archi“ (Streicherkonzert) des italienischen Komponisten Nino Rota, dessen Filmmusiken große Erfolge waren. Und Teile aus den populären, im alten Stil anmutig und musikantisch reizvoll vorgetragenen „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi. Im Zentrum der musikalischen Matinee aber standen zwei Solo-Konzerte mit der renommierten Marimba-Spielerin und polnischen Musikhochschul-Professorin Katarzyna Mycka, die als internationale Botschafterin ihres ursprünglich aus Guatemala stammenden Instrumentes gilt.

Virtuose Technik
Die Wiedergabe des von ihr transponierten d-Moll-Konzerts „für Marimba und Orchester“ von Johann Sebastian Bach (nach dessen Cembalo-Konzert BWV 1052) gefiel nicht nur wegen des dunkel-verhangenen Resonatoren-Tons der benutzten Stabspiele. Vor allem begeisterte die Zuhörer die virtuose Handhabung der Triller-Ketten, Töne-Kaskaden und fein nachhallenden Akkord-Brechungen. Marimbaspieler brauchen an ihrem breit ausladenden Instrumententisch, mit je zwei Klöppeln in beiden Händen, athletische Kondition bei höchster Konzentration. Katarzyna Mycka verfügt zudem über eine Sensibilität, die jede dynamische Nuance beherrscht und schlafwandlerisch sicher Akzente setzt. Das zeigte sich nicht zuletzt in ihrer fulminanten Interpretation des Marimba-Konzertes von Emmanuel Séjourné (geboren 1961), das sich dank seiner aus tiefsten Regionen in lichte Höhen aufsteigenden, anscheinend von kosmischen Energien getragenen Sphärenmusik ganz neuartigen, sinnlich intensiv erfahrbaren Klangräumen öffnete. Blitzschnelle Reaktionen zeichneten den Wirbel der Schlegel aus, aber auch geschmeidige, jäh gebremste Geläufigkeit.

Solche Impulse wurden vom Orchester unter Wallingers Leitung weiter getragen und zu einem stimmungsvollen Musiktableau mediterraner Prägung gefügt.

(Pforzheimer Zeitung vom 05.07.2010, Eckehard Uhlig)


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Von der Frauenkirche auf den Jakobsweg

Künstler entführen auf literarisch-musikalische Wanderung

Mühlacker-Lienzingen. Musik und Wort verbanden sich am Sonntag in einer Matinee im Rahmen des diesjährigen "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche zu einer literarisch-musikalischen Wanderung nach Santiago de Compostela. Ausgeführt wurde das heitere, zugleich auch besinnliche Programm vom Duo Favori mit den beiden herausragenden Gitarrenvirtuosen Barbara Gräsle und Frank Armbruster und dem bekannten Rezitator und Moderator beim SWR, Rudolf Guckelsberger.

Der Pilgerweg durch Nordspanien nach Santiago de Compostela genießt in unserer Zeit außerordentliche Popularität. Über die mehr als 700 Kilometer lange Wegstrecke vom französischen Ort Saint-Jean-Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen hin zur Grabstätte des Heiligen Jakobus zogen allein nach offiziellen Zählungen im Jahr 2009 fast 146000 Menschen. In diesem Jahr fällt der 25. Juli, der Gedenktag an den Heiligen, auf einen Sonntag, weshalb 2010 ein so genanntes "Heiliges Jahr" ist. Das nächste Heilige Jahr steht, wie Rudolf Guckelsberger zu Beginn seiner Lesung sagte, erst wieder 2021 im Kalender.

Über den "Camino de Santiago" führten die drei Künstler die Besucher in der Lienzinger Frauenkirche und vermittelten damit gleichermaßen literarische und musikalische Impressionen. Musikalisch waren es in dieser Matinee die eher leisen, zarten Klänge, wie sie den Gitarren meisterhaft und hochgradig virtuos von Barbara Gräsle und Frank Armbruster, die das Duo Favori bereits während ihres Studiums im Jahr 1986 gründeten, entlockt wurden. Kompositionen aus verschiedenen Musikepochen interpretierte das vielfach preisgekrönte Gitarren-Ensemble. Im 16. Jahrhundert schrieb Luys Milán, der von 1500 bis 1562 lebte, drei Werke mit der Bezeichnung "Pavane", einem langsamen, gravitätischen Schreittanz, die im Verlauf der Matinee feinstimmig dargeboten wurden.

Aus der "Suite España", Opus 165, von Isaac Albéniz, einem der bekanntesten spanischen Komponisten des späten 19. Jahrhunderts, sowie aus "Danzas espagnolas" seines Landsmanns und Zeitgenossen Enrique Granados standen ebenfalls Stücke auf dem Programm, die vom Duo Favori einfühlsam und voller innerem Feuer ausgeführt wurden. Auch Kompositionen von Antonio Soler (1729 bis 1783) umrahmten die Rezitation von Rudolf Guckelsberger in delikater Klangpracht.

Barbara Gräsle, Frank Armbruster und Rudolf Guckelsberger (re.)
Barbara Gräsle, Frank Armbruster und Rudolf Guckelsberger (re.). - Foto: Fotomoment

Bei der Auswahl der literarischen Beiträge zu der Matinee in der Lienzinger Frauenkirche hatte Rudolf Guckelsberger, der katholische Theologie studierte, bevor er sich in Sprachkunst und Sprecherziehung zusätzlich ausbilden ließ, um dann Sprecher beim Süddeutschen Rundfunk und heute beim Südwestrundfunk in Stuttgart zu werden, einen weiten Bogen gespannt. Aus Legenden, wie sie schon im 13. Jahrhundert niedergeschrieben wurden, oder aus Beschreibungen von Pilgerreisen nach Santiago de Compostela sowohl im Mittelalter oder in der Barockzeit als auch in der Gegenwart las er Passagen, die voller lebendiger und farbenreicher Eindrücke von den Erlebnissen, Wahrnehmungen und Empfindungen der Pilger waren. Heiteres und Dramatisches wechselte sich ab. Dabei fehlten auch nicht Auszüge aus dem nach wie vor äußerst erfolgreichen Buch "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling oder Zitate mit nützlichen Tipps für künftige Jakobsweg-Pilger aus dem "Kleinen Pilger ABC" von Martin Thull. Weitere Autoren unserer Zeit, die von ihren Impressionen auf dem "Camino de Santiago" in ihren Büchern erzählten und aus denen Rudolf Guckelsberger eindrücklich und bewegt las, waren Brigitte Riebe, Andrea Schwarz, Cees Nooteboom oder Henri Vincenot.

Möglicherweise wurde mancher Zuhörer an diesem Vormittag dazu angeregt, demnächst ebenfalls zu einer solchen Pilgerreise aufzubrechen. An interessanten Erlebnissen dürfte es wohl kaum mangeln.

(Mühlacker Tagblatt vom 22. Juni 2010, Rudolf Wesner)


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Weltklasse-Virtuosen begeistern Zuhörer

Konzertreihe "Musikalischer Sommer" erlebt glanzvollen Saisonauftakt

Mühlacker-Lienzingen. Mit einem überzeugenden Auftakt voll erlesenen Streicherklangs hat die Konzertsaison "Musikalischer Sommer" in der Lienzinger Frauenkirche begonnen. Die sechs Mitglieder des Solistenensembles vom Concertgebouw Amsterdam gehören allesamt dem niederländischen Weltklasseorchester an. Dazu zählt auch die Violinvirtuosin Ursula Schoch, gebürtige Ludwigsburgerin, die in Sachsenheim aufwuchs und in Bietigheim das Gymnasium besuchte. Seither verbindet sie mit dem Gründer der Konzertreihe, Peter Wallinger, eine enge künstlerische Freundschaft.
Zunächst traten lediglich Benedikt Enzler (Violoncello) und Georgina Poad (Kontrabass) auf und interpretierten mit höchst beeindruckender Virtuosität ein Duett in D-Dur für diese Besetzung aus der Feder von Gioacchino Rossini. Der warme Klang der beiden Instrumente verbreitete sich im ersten Satz wie Sphärenmusik in der Frauenkirche. Dazu trug auch einmal mehr die ausgewogene Akustik in diesem historischen Bauwerk bei. Einen heiteren musikalischen Dialog führten die beiden ambitionierten Musiker aus Amsterdam aus. Im recht kurzen Andante ließ Benedikt Enzler sein Violoncello sehnsuchtsvoll singen, und im Schlusssatz, wieder einem Allegro, entfaltete das exzellente Duo burleskes, tänzerisch leichtes Spiel, womit der von opernhaften Elementen getragene Charakter der Komposition zusätzlich betont wurde.
Eine Serenade in C-Dur für Violine, Viola und Violincello schrieb der 1877 in Pressburg, dem heutigen Bratislava, geborene und 1960 in New York verstorbene Komponist Ernst von Dohnanyi. Das ist ein heiteres, von spätromantischem Grundton geprägtes fünfsätziges Werk, dessen erster Satz von Ursula Schoch (Violine), Michael Gieler (Viola) und Benedikt Enzler (Violoncello) mit resolutem Bogenstrich überaus lebendig und in markantem Marschrhythmus dargeboten wurde. Seelenvoll klang die Viola in der mit einer weittragenden Melodie berührenden Romanze. Ein Scherzo interpretierte das Trio temporeich und expressiv und bestach dabei mit brillanter Virtuosität. Differenzierte Stimmungen im vierten Satz, die sich aus einer Reihe farbenreicher Variationen entfalteten, ließ das Ensemble nuancenreich anklingen. Die vitale Aufführung dieses delikaten Werks schlossen die drei Solisten aus Amsterdam mit einem Rondo als Finale in forschem Tempo furios ab.
Federleichtes, beschwingtes Musizieren des nun in kompletter Besetzung auftretenden Solistenensembles Concertgebouw Amsterdam, zu dem auch Tjeerd Top (Violine) und Jeroen Quint (Viola) gehören, bewirkte, dass der kompositorische Glanz der "Sinfonia concertante" in Es-Dur, KV 364, von Wolfgang Amadeus Mozart auch in der Fassung für ein Streichersextett strahlend hell leuchtete. Zauberhaft lyrisch erklang das Andante mit seiner eingängigen, volksliedähnlichen Melodie. Im dritten Satz, einem Presto, verdichtete sich der Klang des Sextetts zu orchestraler Fülle. Damit erlebte die Wiedergabe des Mozart-Werks eine spannungsreiche Steigerung des Ausdrucks bis zu dessen letztem Takt. Mit einer Zugabe bedankte sich das Ensemble für den anhaltenden Applaus.

(Mühlacker Tagblatt vom 8. juni 2010, Rudolf Wesner)


Mit dem Solistenensemble des Concertgebouw Amsterdam kam die Geigerin Ursula Schoch ( Zweite von links)
wieder in die Frauenkirche. - Foto: Fotomoment
 
In blendender Spiellaune

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Bessere Startbedingungen hätte die Matinee-Konzertreihe des diesjährigen "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche kaum haben können. Wärme und strahlende Sonne draußen. Drinnen präsentierten sich von der Geigerin Ursula Schoch angeführte Kammermusik-Formationen des Concertgebouw Orchesters Amsterdam in blendender Spiellaune. Die Gelassenheit der Balance bestimmte den Auftritt, getragen von einer Wachheit, die aufeinander hört.

Der heitere Konzerteinstieg passte geradezu kongenial zur sommerfrischen Gelöstheit des Publikums. Das gebotene Duett in D-Dur für Violoncello und Kontrabass von Gioacchino Rossini erheiterte im einleitende "Allegro" mit locker-lustigen Läufen, munter springenden Tonkaskaden und bravourösen Bögen, Cello-Gipfelstürme wurden mit feinem Schrumm-Schrumm-Bass grundiert. Im kurzen "Andante" zeigten vor allem Cellist Benedikt Enzler, aber auch die Bassistin Georgina Poad, dass man auch auf tiefen Streichinstrumenten herrliche Kantilenen zaubern kann. Der abschließende schnelle Satz zeichnete aus durch ein eloquent geführtes musikalisches Zwiegespräch. In der Wiedergabe der selten zu hörenden Serenade C-Dur op.10 für Violine, Viola und Violoncello von Ernst von Dohnanyi stellten sich Ursula Schoch (Violine), Michael Gieler (Viola) und Benedikt Enzler als meisterliches Trio vor.

Beflügelte Virtuosität
Die der frühen klassischen Moderne zuzurechnende Komposition trägt auch spätromantische und ungarisch-folkloristische Züge. Und hätte wegen ihres leuchtenden Farbenreichtums und der motivischen Vielgestaltigkeit, die von den Interpreten mit Sinnlichkeit und Intensität mal kantig energiegeladen, mal sanft und weich fließend herausgearbeitet wurde, durchaus Anspruch auf Aufnahme ins Kammermusik-Repertoire.

Nach der Pause gab es eine originelle Sextett-Fassung von Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia concertante in Es-Dur (KV 364), bei deren Interpretation zusätzlich Tjeerd Top (Violine) und Jeroen Quint (Viola) mitwirkten. Auch diese Musik wurde nicht einfach gespielt, sondern nicht nur in den klangprächtigen Abschnitten und Steigerungspassagen gestaltet: Selten hört man das c-Moll-"Andante" in seiner abgründigen Depressivität so tiefsinnig ausgelotet. Glücklicherweise erlöste der Finalsatz mit virtuos beflügeltem Impetus.

(Pforzheimer Zeitung vom 7. Juni 2010, Eckehard Uhlig)


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Nachgefragt

Peter Wallinger
Am Sonntag beginnt um 11Uhr das „Musikalische Sommer“ in der Frauenkirche. Der Leiter der Konzertreihe betritt bei der Programmzusammenstellung teilweise Neuland.

„Reservoir ist unerschöpflich“

Der Musikalische Sommer in der Frauenkirche startet am kommenden Sonntag in seine 33. Saison. Bedeutet das Eröffnungskonzert für Sie Routine oder Herausforderung?

Reine Freude – auf das Programm, das Ensemble aus Amsterdam, das Publikum – weit entfernt von erstarrter Routine.

Worauf haben Sie bei der Programmgestaltung Wert gelegt? Gibt es etwas ganz Neues?

Im unerschöpflichen Reservoir guter, interessanter Musik entdecken wir in dieser Saison neben den klassischen Größen wieder spannendes Neuland: Die Marimba, die chinesische Qin, ein seit mehr als tausend Jahren gepflegtes, faszinierendes Instrument…

Hochkarätige Künstler zu engagieren, ist nicht billig. Wie steht es um die Finanzierung der Konzertreihe?

 

Dank eines großen Förder- und Sponsorenkreises, einer wertschätzenden Kommune und einer treuen Hörerschaft sind wir optimistisch, dass es auch in dieser Saison wieder gelingen wird.

Wie viele Besucher locken die Konzerte im Durchschnitt an?

Große Unterschiede nehmen wir zugunsten einer auf Vielfalt und Niveau zielenden Konzeption in Kauf: Bei Orchesterkonzerten sind es oft weit über 200, bei Kammermusiken auch mal nur 100 Besucher.

Spüren Sie Auswirkungen der Wirtschaftskrise beim Kartenvorverkauf?

Mit stimmigen Konzepten und allerseits leidenschaftlichem Engagement hat Kunst noch jede Krise überlebt…

Veranstalter von klassischen Konzerten beklagen häufig, dass der interessierte Nachwuchs im Publikum fehlt. Wie wollen Sie junge Zuhörer gewinnen?

Mit niedrigen Eintrittspreisen für Schüler und Studenten bzw. günstigen Familienkarten, mit dem „Podium junger Künstler“, mit begeisterungsfähigen Musikern, die Publikumsnähe nicht scheuen.

(Mühlacker Tagblatt vom 4. Juni 2010, Carolin Becker)


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Erlesene Kammermusik lockt Klassikfreunde

"Musikalischer Sommer": Sieben Matineen in Lienzingen

Mühlacker-Lienzingen (pm). Sieben abwechslungsreiche Sonntags-Matineen mit renommierten Ensembles aber auch jungen hochbegabten Nachwuchstalenten umfasst die diesjährige Saison der Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ in der spätgotischen Frauenkirche Lienzingen.
Vom 6. Juni bis 26.September wird das beliebte Musikfestival am Rande des Naturparks Stromberg-Kraichgau wieder Anziehungspunkt für Freunde erlesener Kammermusik.

Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am Sonntag, 6.Juni 11 Uhr mit dem Solistenensemble des Concertgebouw Amsterdam und einem delikaten Kammermusikprogramm mit Ernst von Dohnanyis Serenade C-Dur op.10, Antonin Dvoráks Streichquartett F-Dur op.96 und W.A. Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur. Musiker des weltberühmten Orchesters, jeder im Range eines Solisten, formierten sich vor vier Jahren zu diesem exklusiven Ensemble - an der Spitze die Konzertmeisterin des Concertgebouw, Ursula Schoch.

Die Matinee am Sonntag, 20.Juni 11 Uhr mit dem Titel „Auf dem Sternenweg“ führt ihr Publikum auf eine literarisch-musikalische Reise nach Santiago de Compostela, wo 2010 das „Heilige Jahr“ ausgerufen wurde. Rudolf Guckelsberger, Moderator beim Südwestrundfunk, traf die Textauswahl; das Duo Favori schreitet den geschichtsträchtigen „Camino“ mit Gitarrenmusik spanischer Komponisten musikalisch nach.

Mediterrane Streifzüge unternimmt die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung von Peter Wallinger in ihrer diesjährigen Sommerlichen Serenade am Sonntag, 4.Juli 11 Uhr mit Tanzsätzen aus Monteverdis Oper „Orfeo“ und Respighis „Antique Danze ed Arie“. Zu zwei Konzerten von J.S. Bach und Emmanuel Séjourné für Marimba und Orchester konnte die international bekannte Marimba-Virtuosin Katarzyna Mycka als Solistin gewonnen werden.

Im Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Veranstaltung am Sonntag, 18.Juli 11 Uhr steht die so genannte „Qin“, die klassische chinesische Griffbrettzitter, die 2003 von der UNESCO in die Liste des „Mündlichen und Nichtmateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen wurde. Dr. Manfred Dahmer, Musiker, Musikwissenschaftler und Sinologe, wird mit diesem Gesprächskonzert in die stille, aber faszinierende Welt einführen, die die Musik dieses Tausend Jahre alten Instrumentes aber auch die sie begleitende und inspirierende Dichtung ausübt.

Bereits eine Woche später, am Sonntag, 25.Juli 11 Uhr findet das diesjährige „Podium junger Künstler“ statt, das wieder jungen Talenten unserer Region ein Forum bieten möchte. Erstmals in Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Baden-Württemberg werden Preisträger von „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“ ein interessantes Programm in unterschiedlichen Formationen zusammenstellen. Dabei werden neben Werken der Klassik und Romantik auch in diesem Jahr wieder zwei Uraufführungen junger Komponisten zu Gehör gebracht.

Nach der Sommerpause ist am Sonntag, 12.September 11 Uhr erneut das renommierte „Lotus String Quartet“ mit Streichquartetten von W.A. Mozart und Robert Schumann zu hören. In Antonin Dvoráks von jugendlichem Temperament durchzogenen Streichquintett G-Dur op.77 beteiligt sich als hochkarätiger Partner der weltweit konzertierende Kontrabassist und Karlsruher Hochschulprofessor Wolfgang Güttler.

Mit einem unterhaltsamen Crossover – Programm vom Barock bis Gershwin, ausgeführt von „Mannheim Brass“, wird die Lienzinger Saison 2010 am Sonntag, 26. September 11 Uhr beschlossen. Die fünf Musiker haben alle Solopositionen in den großen baden-württembergischen Orchestern von Mannheim, Stuttgart und Karlsruhe und eroberten sich in den 20 Jahren ihres Bestehens neben den Orchesterdiensten die faszinierende Welt der Blechbläser-Kammermusik.

(Mühlacker Tagblatt vom 13.03.2010)


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"Musikalischer Sommer" hat treue Fans

Initiator zieht positive Saisonbilanz, weiß aber auch, dass Sponsoren kürzertreten könnten

Mühlacker-Lienzingen. Seit 32 Jahren finden zwischen Mitte Juni und Ende September in der Frauenkirche in Lienzingen Konzerte mit kammermusikalischen Delikatessen statt. Der Initiator der Reihe "Musikalischer Sommer" Peter Wallinger zieht für die Konzertsaison 2009 eine positive Bilanz. Zwar seien die Besucherzahlen leicht zurückgegangen, doch das bezeichne er nicht als gravierend.
Im Schnitt wurden bei jedem der insgesamt sechs Konzerte dieses Sommers rund 200 Zuhörer gezählt. Davon sind etwa die Hälfte "Stammbesucher", wie Wallinger zufrieden feststellt. Erfreut zeigt er sich auch über die Tatsache, dass die Konzertreihe Besucher nicht nur aus Mühlacker und Umgebung anzieht, sondern vermehrt aus Stuttgart, Ludwigsburg, Pforzheim, Bretten, Bruchsal und auch aus dem gesamten Nordschwarzwald. "Viele Zuhörer verbinden den Besuch eines Konzerts in der Frauenkirche mit einem Ausflug", meint Peter Wallinger, der bei jedem Konzert selbst anwesend ist und dabei das Gespräch mit Besuchern sucht.
Besonders unterstreicht Peter Wallinger, dass der "Musikalische Sommer" mit einem kleinen Budget auskommen müsse und dennoch in jedem Jahr sechs Konzerte mit hochkarätigen Künstlern und Ensembles biete. Fördermittel flössen zwar von der Stadt Mühlacker und vom Enzkreis, aber besonders wichtig für die Finanzierung dieses kleinen, feinen Festivals seien die Beiträge des Fördervereins und die finanzielle Unterstützung durch Industriebetriebe, Banken und private Stiftungen. Gerade Letztere könnten künftig wirksame Unterstützung leisten, denn aus Kreisen der Wirtschaft sei ihm bereits signalisiert worden, dass im nächsten Jahr viele Unternehmen deutlich kürzertreten müssten.
Dennoch ist der künstlerische Leiter der Konzertreihe in der Lienzinger Frauenkirche, die dank des historischen hölzernen Tonnengewölbes eine außerordentlich gute Akustik aufweist, in Bezug auf das Programm 2010 zuversichtlich. Mit etlichen Künstlern sowie Ensembles habe er bereits feste Verabredungen treffen können. Auf die Inhalte der einzelnen Programme könne er konkret Einfluss nehmen, indem er Empfehlungen für Werke ausspreche, die schon länger nicht mehr in Lienzingen zu hören waren. Das sei in Musikerkreisen keineswegs selbstverständlich, weil diese häufig nur die für eine Konzertsaison fest einstudierten Programme ausführen wollten. Im übrigen seien alle Musiker, die in der Frauenkirche aufgetreten seien, von dem spezifischen Fluidum des Spielortes und auch von dem hier anzutreffenden aufnahmefreudigen Publikum begeistert, erklärt Peter Wallinger.
Vorgesehen sind für 2010 neben einem Orchesterkonzert mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim je zwei Ensembleauftritte sowie Kammermusik in Trio- oder Quartettbesetzung. Außerdem findet auch wieder ein Konzert unter dem Titel "Podium junger Künstler" statt. Hier freut sich Peter Wallinger über die neu entstehende Zusammenarbeit mit dem Landesmusikrat Baden-Württemberg, der auf diese Konzerte in Lienzingen aufmerksam wurde. Insbesondere fördert diese Institution jugendliche Komponisten. Das Programm 2010 wird spätestens im Februar veröffentlicht.
Peter Wallingers Initiative ist es darüber hinaus zu verdanken, dass seit einigen Jahren wieder im Winterhalbjahr regelmäßig Konzerte im Uhlandbau in Mühlacker stattfinden. Am 5. Dezember bietet die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Wallingers Leitung ein Programm mit "Nordischen Impressionen". Weitere zwei Konzerte folgen in den ersten Monaten des nächsten Jahres.

Musikalischer Sommer

Die Lienzinger Frauenkirche bietet nicht nur ein stimmungsvolles Ambiente, sondern auch eine hervorragende Akustik für die Künstler, die im Rahmen des Festivals "Musikalischer Sommer" auftreten. Die Konzerte haben im Schnitt rund 200 Besucher angelockt.
Archivfoto: Fotomoment

(Mühlacker Tagblatt vom 19.10.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)


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Niveauvolle Unterhaltung

Rastrelli Cello Quartett gibt Konzert in der Frauenkirche

Mühlacker-Lienzingen. Am Ende einer Konzertsaison des "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche setzt dessen Leiter Peter Wallinger gerne den Auftritt eines Quartetts mit vier gleichen Instrumenten auf das Programm. Mit dem Rastrelli Cello Quartett war am Sonntagvormittag ein Ensemble zu hören, das auf meisterliche Art diesem Streichinstrument vielfältigste Klangelemente entlockte.
Kirill Kraftsoff, Misha Degtjareff, Kirill Timofeev und Sergio Drabkine sind vier exzellente Cellisten, die sich nach mehrjähriger Mitwirkung in verschiedenen Orchestern, darunter auch in der Kammersinfonie Bietigheim oder im Heilbronner Kammerorchester, dazu entschlossen, ein Cello-Quartett ins Leben zu rufen. Seit dem Frühjahr 2002 treten sie als solches im In- und Ausland mit großem Erfolg auf.
Ihr Konzert war unterhaltsam auf sehr hohem Niveau. Erstaunliche Klangfülle und höchst überraschende Möglichkeiten der Tonentfaltung ließ das Rastrelli Cello Quartett am Sonntagvormittag hören. Die für großes Orchester geschriebene sinfonische Dichtung "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" von Modest Mussorgsky klang auch als Cello-Quartett ungemein dramatisch und endete wunderbar zart und mystisch. Das Scherzo aus der Musik zum "Sommernachtstraum" von Felix Mendelssohn-Bartholdy kam so übermütig und frisch herüber, als hätte es ein großes Orchester dargeboten.
Rastrelli QuartettDie bekannten Melodien der Arien "E luchevan le stelle" aus der Oper "Tosca" von Giacomo Puccini oder "O Du mein holder Abendstern" aus "Tannhäuser" von Richard Wagner erfreuten die Zuhörer ohne Zweifel und auch die Ouvertüre zur Operette "Eine Nacht in Venedig" von Johann Strauß erlebte durch die vier absoluten Könner auf ihren Instrumenten eine federleicht beschwingte, walzerselige Wiedergabe. Vier weithin bekannt gewordene Schlagerlieder aus Russland, als es noch zur Sowjetunion gehörte, dazu gehörte auch der Ohrwurm "Moskauer Nächte", fasste Ensemblemitglied Sergio Drabkine zu einem "Concerto grosso a la Russe" zusammen. Sie wurden vom Rastrelli Cello Quartett in rund ging es mit populären Titeln, wie sie Leonard Bernstein, Hoogy Carmichael, Glenn Miller, George Gershwin und Jimmy Forrest schrieben, weiter. Vier temperamentvoll ausgeführte Songs aus "West Side Story" waren zu hören, und auch der romantische Welthit "Stardust" und die unverwüstliche "Moonlight Serenade".

Organisator auf Sponsorensuche

Nicht weniger beglückend waren für die Ohren die Aufführungen von fünf bekannten Melodien aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin in der Besetzung mit vier Celli. Und dass die in Russland geborenen vier Musiker auch herzerfrischend Blues und Swing zu spielen verstehen, bewiesen sie mit "Night Train". Die Besucher dieses letzten Konzerts des "Musikalischen Sommers 2009" in der Frauenkirche zu Lienzingen waren hellauf begeistert und hörten für ihren freudigen Applaus noch Zugaben.
Peter Wallinger war mit der Saison 2009 weitgehend zufrieden. Mit sechs Konzerten konnte die Reihe "Musikalischer Sommer" erfolgreich fortgesetzt werden. Nun bereitet er sich auf die Winterkonzerte im Uhlandbau vor, die am Samstag, 5. Dezember, um 20 Uhr eingeleitet wird. Der Konzertinitiator berichtete im Gespräch mit unserer Zeitung allerdings, dass es gegenwärtig außerordentlich schwierig sei, Sponsoren zu finden, auf deren Beiträgen die Konzertreihen in Mühlacker und Lienzingen angewiesen seien.


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Aufmunternder Spaß nach Noten

Mitglieder der Stuttgarter Philharmoniker gastieren beim "Musikalischen Sommer" in der Lienzinger Frauenkirche

Mühlacker-Lienzingen. Ein kleines Orchester mit großartigem Klang war am Sonntagvormittag im Rahmen des "Musikalischen Sommers 2009" in der Lienzinger Frauenkirche zu hören. Mitglieder der Stuttgarter Philharmoniker musizierten als Septett unter dem Ensemble-Namen "Corda e Fiato" mit frischem Elan Werke von Gioacchino Rossini, Richard Strauss und Ludwig van Beethoven.

Im Jahr 1800 komponierte Ludwig van Beethoven sein Opus 20. Dabei handelte es sich um ein Werk für sieben Blas- und Streichinstrumente in Es-Dur, das in der Musikgeschichte insofern einen bedeutenden Rang einnimmt, als es sich dabei um die erste Komposition für diese illustre Besetzung mit Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass handelt. Ihm folgten von anderen Tonschöpfern weitere gleichartige Stücke, doch zugleich erkannten geschickte Arrangeure der Neuzeit darin eine Möglichkeit, große sinfonische Werke sozusagen in Kammerbesetzung aufführbar zu machen.

Das Beethoven-Septett stand selbstverständlich auf dem Programm des Konzerts in Lienzingen, doch zuvor führte das Ensemble "Corda e Fiato" die Ouvertüre zur Oper "Wilhelm Tell" von Gioacchino Rossini auf. Dieses Werk ist ja nicht nur eine Einstimmung auf das dramatische Geschehen, das auf Schillers Schauspiel basiert, sondern eigentlich handelt es sich dabei fast schon um eine sinfonische Dichtung. Rossini malte in dem Stück die Natur am Vierwaldstädter See aus, ließ das Lied eines Hirten anklingen, beschrieb ein heraufziehendes und sich in wildem Sturm austobendes Gewitter und schilderte schließlich den triumphalen Sieg über die Tyrannei. Alle diese Elemente der Komposition vermochte das Septett aus Stuttgart in einem farbenreichen Arrangement trotz kleiner Besetzung in aufregender Klangfülle, durchaus in sinfonischer Pracht, auszubreiten. Das war ein überaus anregendes Hörvergnügen.

Von ähnlich hoher musikalischer Qualität war auch die Aufführung der Komposition "Till Eulenspiegels lustige Streiche" von Richard Strauss. Einige der listigen Streiche des sagenhaften Schalks werden darin in launiger und humoriger Lautmalerei erzählt. Am Ende muss sich Till Eulenspiegel vor einem gestrengen Richter verantworten. Allerdings wird er zumindest in dem vom Ensemble "Corda e Fiato" mitreißend kontrast- und nuancenreich dargebotenem Arrangement und damit abweichend vom Original-Werk nicht aufgehängt. Noch einmal vermittelten die sieben Musikerinnen und Musiker den Besuchern der Matinee in der Frauenkirche einen aufmunternden Spaß nach Noten.

Das Septett in Es-Dur, Opus 20, von Ludwig van Beethoven, entstand etwa zur selben Zeit, als er seine erste Sinfonie schrieb, und ist im Grunde genommen ein Werk, das einer Sinfonie weitgehend gleicht. Allerdings umfasst das Septett sechs Sätze, die in ihrer unterschiedlichen Charakteristik eine breite Skala von Stimmungen und originellen kompositorischen Einfällen aufweisen. Auch mit einer Spielzeit von über 40 Minuten kann diese kammermusikalische Komposition einem in großer Besetzung ausgeführten Orchesterwerk gleichgestellt werden. Das Ensemble "Corda e Fiato" gestaltete eine in vielen Facetten farbenreiche Wiedergabe. Kraftvolle Kontraste lebten in den sieben Sätzen, welche die Musiker vital aufleuchten ließen. Eine mit Bravour dargebotene musikalische Rarität war dies ohne Zweifel.

(Mühlacker Tagblatt vom 16.09.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)


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Der Nachwuchs setzt Akzente

Podium junger Künstler bei der Konzertreihe "Musikalischer Sommer" in Lienzingen - Viel Beifall für Uraufführungen

Dem begabten Musikernachwuchs gab der Leiter der Reihe "Musikalischer Sommer" in der Lienzinger Frauenkirche Gelegenheit, sich in einem Konzert der Öffentlichkeit vorzustellen.

Mühlacker-Lienzingen. Auch Werke junger Komponisten standen auf dem Programm, darunter zwei Uraufführungen, die mit großem Beifall aufgenommen wurden.
Es waren Preisträger der Wettbewerbe "Jugend musiziert" auf Landes- oder Bundesebene, die überwiegend sowohl im Enzkreis als auch im Landkreis Ludwigsburg leben. Doch aus Stuttgart und Baden-Baden lud Peter Wallinger junge Talente am Sonntag zum "Podium junger Künstler" nach Lienzingen ein. Mit vier Stücken aus Opus 83 von Max Bruch eröffnete das Trio Eva Panzer (Klarinette), Christian Pfeiffer (Violoncello) und Simon Wallinger (Klavier) das leider nicht sehr gut besuchte Konzert, dessen junge Ausführende ein größeres Interesse verdient hätten. Die wohlig warme Melodik der Komposition breiteten die Musiker einfühlsam, sensibel und mit nuancenreichem Ausdruck aus.
Andru MatuschkaBereits vor einem Jahr stellte Peter Wallinger den heute 13-jährigen Könner an der Violine Andru Matuschka aus Baden-Baden bei einem ähnlichen Konzert vor. Am Sonntag überzeugte er mit seinem neuen Werk für Violine und Klavier mit dem Titel "Von morgens bis abends", das als Uraufführung zu hören war. Eine weit ausholende, auf der Violine gespielte Melodie erhob sich aus zartesten, anfangs fast unhörbaren Tönen und steigerte sich bei kontrastreicher Untermalung durch das Klavier zu spannungsreichem Ausdruck, verebbte dann aber nach und nach und verflüchtigte sich wieder. Andru Matuschka erwies sich als höchst talentierter Geiger und zugleich auch als ein Komponist, der in seinem nur acht Minuten dauernden Werk Seele und Verinnerlichung hörbar machte. Begleitet wurde er von Jan Divoky am Flügel. Die Komposition wurde mit längerem anerkennenden Beifall von den Zuhörern aufgenommen.
Als hoch begabte Könnerin an der Violine überzeugte auch die 15-jährige Leah Disse aus Stuttgart. Sie interpretierte zuerst das Capriccio für Violine solo, Opus eins, Nummer neun E-Dur von Niccolo Paganini in beherztem Tempo und in respektabler Perfektion. Noch schwerer war die Komposition "Siciliano" für Violine solo Nummer eins g-moll (BWV 1001) von Johann Sebastian Bach, doch auch diese Herausforderung meisterte die junge Geigerin mit Bravour. Im Jahr 2008 komponierte Simon Wallinger, ein Sohn von Peter Wallinger, sein Werk "Tri-Tonus", das bereits bei anderer Gelegenheit seine Uraufführung erlebte. Es ist eine farbenreiche Komposition voller Impulsivität, die sich zu fesselndem Ausdruck verdichtete. Im zweiten Satz traten lebhafte Kontraste in Erscheinung, und rhythmische Akzente prägten das Stück. Ausgeführt wurde "Tri-Tonus" ebenfalls vom Trio Eva Panzer, Christian Pfeiffer und Simon Wallinger, das mit instrumentaler Brillanz musizierte.
Extra für das Konzert am Sonntagvormittag hatte Peter Wallinger ein Streichorchester zusammengestellt, in welchem 14 junge Musikerinnen und Musiker aus der Umgebung mitwirkten. Der runde, warme und dichte Klang dokumentierte einmal mehr, dass der Dirigent ein ausgezeichneter Orchestererzieher ist.
Neben Kompositionen von Astor Piazzolla, Antonin Dvorák und José Bragato, die das Ensemble akzentreich und mit eindrucksvoller Gestaltungskraft musizierte, erlebten die Besucher die Uraufführung eines weiteren Werks mit dem Titel "Gestrichenes Stück" von Andru Matuschka. Diese Komposition sprach mit ihrem mystischen Charakter an, in welchem sich Sphärenklänge ausbreiteten, ohne dabei einem eigentlichen Höhepunkt des Ausdrucks zuzustreben.
Wieder erhielt der junge Komponist viel Beifall für sein Werk. Die Matinee in der Lienzinger Frauenkirche endete nach anhaltendem Applaus, den die jungen Künstlerinnen und Künstler zweifellos verdient hatten, mit einer Zugabe.

(Mühlacker Tagblatt vom 28.07.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)

 

Lebendige Konversation

Podium junger Künstler beim Musikalischen Sommer in Lienzingen

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Grabgesänge auf die klassische Musikkultur sind in Mode. Doch ihre Urheber, die fehlende Musikerziehung oder angeblich kaum noch vorhandene Begeisterungsfähigkeit junger Menschen als Argumente ins Feld führen, liegen falsch. Glücklicherweise wachsen immer wieder junge Musiktalente nach, die für ihre Ausbildung keine Mühen scheuen und offensichtlich mit Freude und Leidenschaft bei der Sache sind.
Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls das „Podium junger Künstler“ mit Preisträgern von „Jugend musiziert“ und jungen Komponisten aus der Region, zu dem Peter Wallinger, Leiter des „Musikalischen Sommers“, in die Lienzinger Frauenkirche eingeladen hatte. Da war der erst 13-jährige Violinist und Komponist Andru Matuschka, der gleich zwei Uraufführungen zu dem Konzert beisteuerte. Seine „Von morgens bis abends“ betitelte atonale Musik für Violine und Klavier, die zart anschwellend einsetzte, sich durch allerhand Glissandi, schwebende Flageoletts, Pizzikati und vieldeutige, teils rasant heftige Läufe auszeichnete, wurde von ihm selbst und dem Pianisten Jan Divoky ausgeführt. In Matuschkas „Gestrichenem Stück“ für 14 Streicher wechselten sich unter der Leitung Peter Wallingers extrem hohes und vielstimmiges Flageolett-Geflüster und abgründiges Bass-Geraune ab. Dazu kamen Saiten-Zupfer und kraftvolle Einwürfe einzelner Streichinstrumente.

Gereift und klangschön

Dann stellte sich die 15-jährige mehrfache „Jugend musiziert“-Preisträgerin Leah Disse erstaunlich selbstbewusst mit ihrer Geige vor: Virtuos artistisch mit Niccolo Paganinis „Springbogen“-Capriccio für Violine solo op.1 Nr. 9 E-Dur, und schon ausgereift und klangschön mit einer Siziliane aus Johann Sebastian Bachs Sonate für Violine solo Nr.1 g-Moll (BWV 1001). Überaus originell, anspruchsvoll und musikantisch einfallsreich präsentierte sich der „Tri-Tonus“ op.3 für Klarinette, Violoncello und Klavier von Simon Wallinger. Die Arbeit des (1992 geborenen) Jungkomponisten mit den Sätzen „Con espressione“ und „Scherzando“ bot eine lebendige musikalische Konversation zwischen den beteiligten Instrumenten. Motivische Impulse des einen wurden von den beiden anderen aufgenommen und lebhaft fort gesponnen, in Sforzato-Akkorden gebündelt, akzentuiert oder mit scherzhafter Attacke ad absurdum geführt.
Die Trio-Formation (mit der ausgezeichneten Jung-Klarinettistin Eva Panzer, dem Cellisten Christian Pfeiffer und Simon Wallinger am Flügel) beeindruckte außerdem mit einer stimmungsvoll melancholischen, also gefühlvoll romantischen Interpretation der „Vier Stücke“ aus op. 83 von Max Bruch. Das von Peter Wallinger dirigierte Jugend-Orchester erfreute mit der Wiedergabe von Astor Piazzollas lustiger „Melodia in La menor“, mit Antonin Dvoráks schönem Walzer A-Dur op.54 und der impulsiven Komposition „Malambo“ von José Bragato (geb. 1915).

(Pforzheimer Zeitung vom 28.07.2009, Eckehard Uhlig)


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Leidenschaftlich umarmt

Ohrenschmaus in der Frauenkirche - Kontrabassist begeistert

Mühlacker-Lienzingen. Der Sommerzeit angepasst, präsentierten Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntagvormittag im Rahmen des "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche ein Programm mit farbenfrohen musikalischen Nuancen vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, von Britannien bis Argentinien.

Von Henry Purcell, dem englischen Barockmeister, führte das bestechend rein und hell klingende Streichorchester, vor dem sich Orchesterleiter Peter Wallinger einmal mehr als sensibler Klangzauberer erwies, fünf Teile aus der Musik zu "The Fairy Queen" (Die Feenkönigin) nach Shakespeares "Sommernachtstraum" auf. Schwebend leichte, wohlige Streicherbrillanz breitete sich in der Frauenkirche aus, wobei die tänzerisch leichten, auch mal burlesken Elemente ebenso feinstimmig herausgehoben wurden wie die lyrischen. Auch für dieses Konzert war es Peter Wallinger gelungen, einen herausragenden Solisten zu gewinnen. An seinem Kontrabass, den er während seines Spiels geradezu leidenschaftlich zu umarmen schien, entfaltete Michinori Bunya träumerische, seelenvolle und warme Klangfülle. Damit dokumentierte der heute als Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Würzburg tätige gebürtige Japaner, dass dieses Instrument alles andere als nur ein sonor brummendes Streichinstrument ist.

Michinori Bunya ließ bei der Gestaltung der Melodie Nummer eins in e-moll von Giovanni Bottessini, einem italienischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, seinen Kontrabass förmlich singen. Auch im "Allegro di Concerto alla Mendelssohn" von demselben Komponisten bestach der Solist mit samtweichem Bogenstrich. Die Kammersinfonie begleitete Michinori Bunya mit impulsivem und glutvollem Spiel.

Zum Abschluss des ersten Teils des Konzerts in der Frauenkirche erklang noch "Herzwunden" aus den "Elegischen Melodien", Opus 34, von Edvard Grieg, überaus zart und verklärt als eine wahre Delikatesse für die Ohren.

Sueddeutsche KammersinfonieVon empfindungsreicher Melodik war auch die Komposition "Chrysanthemen" für Streicher von Giacomo Puccini geprägt. Dieses eindrucksvolle Werk erlebte durch das hoch qualifizierte Streichorchester unter der Leitung von Peter Wallinger eine Aufführung in romantischer Stimmung.

Der argentinische Komponist Astor Piazzolla fügte in seinem Zyklus "Vier Jahreszeiten" gelegentlich Zitate aus dem gleichnamigen Werk von Antonio Vivaldi ein, verwandelte aber derartige Motive nachdrücklich, indem er sie mit dem Klangkolorit seiner lateinamerikanischen Heimat vermengte. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim führte daraus zwei Sätze auf. Dabei übernahm die Konzertmeisterin des Orchesters, Sachiko Kobayashi, den Solopart auf der Violine. Zunächst symbolisierte die quirlige Bewegtheit der Komposition die Lebensfreude in der sommerlichen Metropole. Dagegen traten im folgenden Satz "Herbst" meditative Klänge auf, die eine eher gedämpfte Stimmung widerspiegelten. Doch stets war vibrierender Rhythmus das treibende Element, mit dem ein expressiver Ausdruck entstand. Die Solistin an der Violine, Sachiko Kobayashi, die auch Mitglied des erst kürzlich in Lienzingen aufgetretenen Lotos-Streichquartetts ist, führte ihre Soli mit Temperament und eindrucksvoller Virtuosität aus und wurde dabei vom Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger bravourös begleitet.

(Mühlacker Tagblatt vom 14.07.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)


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Galant und frisch musiziert

Ensemble aus Minsk interpretiert in der Frauenkirche Werke der Bach-Familie

Mühlacker-Lienzingen. Die Kammersolisten aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk beglückten mit ihrem delikaten Spiel auf Traversflöte, Streichinstrumenten und am Cembalo die Besucher des Konzerts in der Frauenkirche im Rahmen des "Musikalischen Sommers". Werke von Mitgliedern der Bach-Familie sowie von Joseph Haydn standen auf dem Programm.

Von Carl Philipp Emanuel Bach führten die Kammersolisten Minsk unter der Leitung ihres Gründers Dimitri Subow zur Eröffnung ein Quartett in G-Dur für Flöte, Viola, Violoncello und Cembalo auf. Diese Komposition erwies sich zwar als spröde im musikalischen Ausdruck, wurde aber von dem Ensemble mit Energie und Temperament vorgetragen.

Kammersolisten aus MinskDagegen war das fünfte Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach für die Ohren ein wesentlich höherer Genuss. Vor allem war es die fabelhafte Flötistin Galina Matjukowa, die mit hinreißender Bravour und exzellenter Intonation die Solopassagen ausführte. Dieser außerordentliche spielerische Elan, mit dem die Musikerin bestach, gab auch schon der Aufführung des vorangegangenen Quartetts Glanz. Und auch in den zwei weiteren Kompositionen breitete Galina Matjukowa ihre hochrangige Virtuosität immer wieder mitreißend engagiert aus. Daneben aber fiel auch Wladislav Pessin angenehm auf, der im Brandenburgischen Konzert Nummer fünf den Solopart der Violine mit elegantem Bogenstrich und gleichfalls beeindruckend silbrig hellem Spiel auf der Violine ausführte. Das Ensemble gestaltete insbesondere den Schlusssatz, ein Presto, voller Elan in köstlicher Heiterkeit.

Galantes Musizieren in anmutiger Frische kennzeichnete auch die Aufführung eines Quintetts von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn des Barockmeisters. Vor allem die kantable Melodik des Andantinos kosteten die Kammersolisten aus. Mit einer furiosen, vielfarbigen und kontrastreichen Wiedergabe der 97. Sinfonie in C-Dur von Joseph Haydn klang die Matinee aus - allerdings nicht ohne Zugabe für den lang anhaltenden Schlussapplaus.

(Mühlacker Tagblatt vom 30.06.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)

 

Elegantes Tongemälde

Kammersolisten Minsk gastierten beim Musikalischen Sommer in Lienzingen

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Johann Sebastian Bach und seine Söhne in der Musik – das ist ein weites Feld. Die Kammersolisten Minsk widmeten ihr Konzert beim Musikalischen Sommer in der Lienzinger Frauenkirche hauptsächlich diesem Thema. Allerdings konnte von drei gebotenen Bach-Interpretationen nur eine begeistern.
Die Wiedergabe des D-Dur-Quintetts für Flöte, zwei Violinen, Cello und Cembalo concertato von Johann Christian Bach (1735–1782) überzeugte in jeder Hinsicht und kann als exemplarisch gelten. Das Werk, das zum Schönsten gehört, was der „Londoner Bach“ und Anreger Mozarts komponierte, atmet frühklassischen Geist.
Im verspielt und stimmungsvoll einleitenden „Allegro“ wirbelte die Traversflöte (Galina Matjukowa) ausgelassen und munter im musikalischen Liniengeflecht, vom gleichberechtigt konzertierenden Cembalo (Dimitri Subow) getragen, gezähmt und eingefangen. Die Streicherstimmen fügten den Rahmen für das erfrischend elegante Tongemälde hinzu. Zärtlich dagegen und manchmal auch melancholisch klagend die Flötenpassagen und Cello-Kantilenen (mit Violetta Korenkowa) im „Andantino“-Folgesatz. Ganz heiter, lebhaft, aber locker und leicht präsentierte sich schließlich das Finale, ein zauberhaftes „Allegro assai“.

Fahrig und unkonzentriert

Freilich hatte die Konzert-Matinee mit dem G-Dur-Quartett für Flöte, Viola, Cello und Cembalo (Wq 95) von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788) weniger mitreißend begonnen. Die Interpreten schienen fahrig und unkonzentriert, fanden offensichtlich nicht gleich das erforderliche Einverständnis, was die Homogenität ihres Musizierens störte. Der erste Satz („Allegretto“) wirkte mit seinem temperamentvoll vorgetragenen Zierrat bruchstückhaft, dem rasanten „Presto“ fehlte es an innerem Zusammenhang. Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr.5 D-Dur, BWV 1050, entpuppte sich in Lienzingen als veritables Cembalo-Konzert, in dem Violine (Wladislav Pessin) und Traversflöte mit ihrem schwerelos schwebenden Klang noch stärker als sonst üblich an den Rand gedrängt wurden.
Eine Bearbeitung der späten Joseph Haydn-Sinfonie Nr.97 in C-Dur für Kammerensemble von Johann Peter Salomon (1745–1815) sorgte für den eindrucksvollen Konzert-Ausklang. Wobei die Minsker Solisten (neben den erwähnten noch Elena Maltsewa, Violine; Swetlana Golubowskaja, Viola; und Pawel Sidorenko, Kontrabass) mit kraftvoll schlankem, gut ausbalanciertem Kammerton aufspielten.

(Pforzheimer Zeitung vom 01.07.2009, Eckehard Uhlig)


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Das Spektrum reicht von Bach bis Jazz

Weitere Matineen in der Lienzinger Frauenkirche

Mühlacker-Lienzingen (pm). Matineen mit renommierten Ensembles, aber auch jungen, hochbegabten Nachwuchstalenten umfasst die Saison der Konzertreihe "Musikalischer Sommer" in der spätgotischen Frauenkirche Lienzingen. Bis zum 27. September wird das beliebte Musikfestival im vierzehntägigen Rhythmus unter Ausschluss des Ferienmonats August wieder Anziehungspunkt für Freunde erlesener Kammermusik.
Werke der Bach-Familie, darunter das fünfte Brandenburgische Konzert, sowie Joseph Haydns Londoner Sinfonie opus 97 in einer originellen kammermusikalischen Bearbeitung bringen die Kammersolisten Minsk am Sonntag, 28. Juni, um 11 Uhr zu Gehör. Dimitri Subow, ausgebildet am Leningrader Konservatorium und an der Musikhochschule Stuttgart, ist künstlerischer Leiter und Cembalist des vom Goetheinstitut unterstützten weißrussischen Ensembles und gilt als Spezialist für die Musik des Spätbarock und der Frühklassik.
Mit einem erfrischenden Serenaden-Programm mit Werken von Henri Purcell, Franz Schubert, Giovanni Bottesini und Edvard Grieg präsentiert sich die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntag, 12. Juli, um 11 Uhr unter der Leitung von Peter Wallinger dem Lienzinger Publikum. Mit dem Orchester, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, konzertiert der Kontrabass-Virtuose Michinori Bunya, der zu den Großen seines Faches zählt und als Solist rund um den Globus unterwegs ist. Auch in diesem Jahr bietet der "Musikalische Sommer" mit dem Podium junger Künstler am Sonntag, 26. Juli, 11 Uhr, hoffnungsvollen Talenten der Region ein Forum. Preisträger von "Jugend musiziert" und junge Komponisten stellen sich in unterschiedlichen Formationen vom Klaviertrio bis zum Streicherensemble mit Werken von Max Bruch, Johannes Brahms, Astor Piazzolla, aber auch mit eigenen Kompositionen vor.
Nach der Sommerpause gastiert am Sonntag, 13. September, 11 Uhr, das Ensemble Corda e Fiato mit Rossinis Ouvertüre zu "Wilhelm Tell", mit "Till Eulenspiegels lustigen Streichen" von Richard Strauss und mit Beethovens Septett Es-Dur opus 20 in Lienzingen. Ein spannendes Crossover-Programm mit Werken nahezu aller Stilrichtungen vom Barock über die Romantik bis hin zum Free Jazz, von Marin Marais über Tschaikowsky bis Paul Desmond erwartet die Besucher der Abschluss-Matinee am Sonntag, 27. September, um 11 Uhr mit dem Rastrelli Cello Quartett.
Karten gibt es unter anderem im Rathaus Mühlacker (Infotheke), bei Buch-Elser in der Mühlacker Bahnhofstraße 62 sowie über die Kontaktadresse "Musikalischer Sommer", Graf-Zaisolf-Straße 20, 75433 Maulbronn-Zaisersweiher, Telefon 07043/40410, Fax 07043/952409.

(Mühlacker Tagblatt vom 16.06.2009, pm)

 
Delikater Hörgenuss zum Auftakt

"Musikalischer Sommer" eröffnet - Klarinettist Sebastian Manz und das Lotus String Quartet ernten Bravorufe

Lotus String QuartetDas Lotus String Quartet hat am Sonntagmorgen den "Musikalischen Sommer" in der Lienzinger Frauenkirche eingeläutet und dem Publikum einen beglückenden Auftakt zur Konzertreihe beschert.

Mühlacker-Lienzingen. Die drei Musikerinnen aus Japan und ihr Kollege aus Deutschland zelebrierten zusammen mit dem Klarinettenvirtuosen Sebastian Manz als Gast einen Hörgenuss von unübertrefflich hoher Qualität.

Umrahmt von zwei Kompositionen aus den Federn der großen Klassiker Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart stand ein Streichquartett in F-Dur von Maurice Ravel. Bei den Aufführungen aller drei Werke zeigte sich, dass die fein abgestuften Nuancierungen der Klangentfaltung das wahre Markenzeichen des Lotus String Quartet sind.

Gleich die ersten Takte des Allegro-Satzes im Streichquartett D-Dur, Opus 20, Nummer vier, von Joseph Haydn waren ein betörendes Musterbeispiel dafür. Aus in bedächtigem Tempo sich ausbreitenden warmen Tönen entstand eine kraftvolle Steigerung des Ausdrucks zu leuchtender Klangfarbigkeit. Dabei kamen die sich im weiteren Verlauf andeutenden besinnlich und verhalten wirkenden Charakteristiken des Satzes ausgewogen zur Geltung. Sachiko Kobayashi und Mathias Neundorf (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello), alle studierten sie an der Hochschule für Musik in Stuttgart, führten die Haydn-Komposition atmosphärisch schwebend aus, auch mal burlesk und heiter bewegt wie im "Menuet alla Ziingarese". Die Darbietung gipfelte in einem furios gespielten Presto als Finale.

Die reizvoll hell schimmernden Farben des Streichquartetts F-Dur von Maurice Ravel lotete das Lotus String Quartet bestechend und anrührend delikat aus. Ein gewisses Pathos in der Gestaltung des ersten Satzes war dabei genau so adäquat wie die spannungsvolle Wiedergabe des zweiten und des vierten Satzes. Dennoch ließen die Musiker auch drängende Tempi deutlich zur Steigerung des Ausdrucks zur Geltung kommen.

Seelenvoll, besinnlich und deshalb ganz besonders anrührend interpretierte das Quartett den Satz "Très lent" (sehr langsam), mit dem das Ensemble ohne Frage sein überragendes Glanzstück an Interpretationsdichte ausbreitete.

Geradezu ideal passte zum japanisch-deutschen Ensemble aus Stuttgart der blutjunge Solist des Vormittags. Der Klarinettist Sebastian Manz ist zwar erst 22 Jahre alt, räumte aber bei renommierten Wettbewerben im In- und Ausland bereits etliche hochrangige Preise und Auszeichnungen ab. Auch in Japan konzertierte er im Jahr 2006.

In der Lienzinger Frauenkirche begeisterte Sebastian Manz mit seinem hauchzarten, jederzeit höchst kunstvollen und vollendet virtuosem Spiel bei der Aufführung des Klarinettenquintetts A-Dur, KV 581, von Wolfgang Amadeus Mozart.

Im Zusammenwirken mit dem Lotus String Quartet entstand eine geschmeidig und elegant gestaltete Darbietung der viersätzigen, sehr populären Komposition Mozarts in blühender Klangschönheit, in welcher der junge Solist mit filigraner Leichtigkeit und offenkundig uneingeschränkter Musizierfreude seinen Part hinreißend lebendig ausführte.

Laute Bravorufe mischten sich in den lang anhaltenden Applaus, für den sich die Mitwirkenden mit einem kurzen Ausschnitt aus dem Menuett-Satz als Zugabe bedankten.

(Mühlacker Tagblatt vom 16.06.2009, Rudolf Wesner - Foto: Fotomoment)

 
Leuchtendes Klangwunder beim "Musikalischen Sommer" in Lienzingen

MÜHLACKER-LIENZINGEN. Das renommierte Lotus String Quartet, das den „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche glanzvoll eröffnete, besticht mit Klangfülle und Klangschönheit. Aber auch, selbst in heikelsten Passagen, mit seiner Balance und Homogenität. Primaria Sachiko Kobayashi, Mathias Neundorf (zweite Violine), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) entwickeln zwar beim Quartettspiel jeweils ihr höchst eigenes Profil. Jedoch auf eine Weise, der jede äußerliche Geste fremd ist: Als Mannigfaltigkeit in der Einheit, kammermusikalisch temperamentvoll, klug und selbstbewusst.

Für jede Streichquartett-Formation gehören zumindest die mittleren der insgesamt 69 Quartette Joseph Haydns zum Repertoire. Aber mit welch entspannter Diktion das Lotus-Ensemble op.20 Nr.4 in D-Dur aus dem Zyklus der „Sommerquartette“ interpretierte, sucht seinesgleichen. Hinreißend musizierten die vier Streicher die Korrespondenzen zwischen ruhigen Passagen und lebhaften Antworten im dunkel grundierten, einleitenden „Allegro di molto“. Der (wie oft bei Haydn) mit melancholischer Melodienseligkeit ausgestattete zweite Satz (hier „Un poco Adagio e affettuoso“) zeichnete sich durch wunderschöne Piano-Stellen aus. Das sich anschließende fröhlich-helle „Menuet alla Zingarese“, ein kurzer Satz, sprühte nur so vor Temperament. Im abschließenden „Presto e Scherzando“ präsentierten sich die Interpreten energisch zupackend, zu dynamischen Steigerungen aufgelegt.

Ravels Streichquartett F-Dur, in dem der Geist des Impressionismus weht, wurde im Einleitungssatz mit Partien von großer Zartheit geboten, in denen die Stille gleichsam zu hören war. Pizzikato-Girlanden und flimmernde Tremoli durchzogen den zweiten Satz der Komposition. Strömende Vorwärtsbewegungen, von rasant gesteigerten Forte-Gipfeln gegliedert, bestimmten das Finale.

Die Klarinette gilt als das Blasinstrument der Sehnsucht, mit romantischer Aura und sprudelnder Virtuosität. Sebastian Manz, der 22-jährige Shooting-Star unter den Klarinettisten, verkörpert dieses Ideal wie kein anderer. Sein Lienzinger Auftritt war eine Sensation. Seine Interpretation des Bläserparts in Mozarts Klarinettenquintett A-Dur, KV 581, faszinierte nicht zuletzt wegen des intensiv weichen und warmen, zuweilen luftig gehauchten Tons. Manz ist aber auch ein Meister der Sechzehntel-Bravour, der es zudem versteht, die beredte Stimme seines Instruments in Melodiebögen zum Singen zu bringen. Er verfügt bruchlos über dynamische Extreme und über Bläsertöne, die buchstäblich aus dem Nichts aufblühen. Der populären Mozart-Komposition erwuchsen unter solchen Voraussetzungen Flügel, die das in vielfältigen Farben leuchtende Klangwunder in die Herzen der begeisterten Zuhörer trugen.

(Pforzheimer Zeitung vom 16.06.2009, Eckehard Uhlig)


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